Donnerstag, 30. März 2017

Winterhoff: Wie geht richtige Erziehung?


Problem: Heute haben Eltern und auch Großeltern oft Angst vor Konflikten. Sie denken, dass sie nicht mehr geliebt werden, wenn sie mal Nein zum Kind sagen.
Folge: Das Kind entwickelt sich zu einem lust- orientierten Egoisten, dem es schwer fällt, wenn sich nicht alles nach ihm richtet. Als Erwachsene scheitern sie dann am Chef oder sind unfähig, eine Partnerschaft aufrecht zu erhalten, weil sie keine Kompromisse gewöhnt sind.
Lösung: Ein Kind darf nicht alles bekommen. Es braucht Grenzen, z.B.: „Heute darfst du nicht fernsehen.“ Diese Lenkung gibt den Kindern Schutz und stärkt die Bindung.
(Aus: Bild-Ratgeber, http://www.bild.de/ratgeber/kind-familie/kindererziehung/diese-fehler-duerfen-sie-nicht-machen-32556798.bild.html, s.u.) Die Sicht Michael Winterhoffs, eines Bonner Kinderpsychiaters, findet man in folgenden Beiträgen:
http://www.spiegel.de/spiegel/a-616055.html (Spiegel-Gespräch mitW. Bergmann und M. Winterhoff, 2009)
Auf youtube findet man ebenfalls M. Winterhoff:
https://www.youtube.com/watch?v=DYMtfwi2hRs („Nachtcafé“, u.a. mit M. Winterhoff)
sowie viele kleine Beiträge; er hat mehrere Bücher über Kinder(erziehung) geschrieben.

Sonntag, 19. März 2017

Behaghel: Die deutsche Sprache



Ich möchte auf ein Buch hinweisen, das den Reichtum der deutschen Sprache geschichtlich erschließt, von den Dialekten bis zur Wortbildung, von der Betonung über die Flexion (Deklination, Konjugation) bis zum Satzbau. Es stammt von Otto Behaghel: Die deutsche Sprache, 7. Aufl. 1923; der Autor war Professor in Gießen und ein anerkannter Fachmann, von dem man auch heute noch sehr viel lernen kann (auch wenn Einzelnes sicher wissenschaftlich überholt ist) – fast zu viel, wenn man das Buch in einem Streifen liest; dann könnte man leicht von der Fülle der Einzelheiten verwirrt werden.

Ich verlinke das Inhaltsverzeichnis, damit man sich einen Eindruck von dem machen kann, was einen bei der Lektüre erwartet – oder damit man weiß, was man wo nachschlagen kann. Dem dient dann auch das Wort- und Sachverzeichnis. Blättern kann man, indem man auf eine Seite klickt (links: zurück, rechts: vor), oder unten rechts mittels der Pfeile (Dreiecke). Mit dem dunklen Punkt unten kann man über viele Seiten hinweg springen.


Donnerstag, 16. März 2017

Relativsätze, Relativpronomen, relative Adverbien


1. Beispiele für Relativsätze
(1) Der Mann, der am Fenster sitzt, kommt aus Hamburg.
(2) Ich erinnere mich noch genau [daran], worüber wir gestern gesprochen haben.
(3) Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.
(4) Du musst das Rad prüfen, welches Luft verliert.
2. Theorie der Relativsätze
  • Sie werden durch ein Relativpronomen oder Relativadverb eingeleitet.
  • Sie sind Nebensätze, die sich auf ein Bezugswort im Hauptsatz beziehen.
  • Dieses Bezugswort muss man sich manchmal hinzudenken, siehe (2).
  • Meistens sind sie Attribute; sie können aber auch Subjekt oder Objekt sein.
  • Sie stehen in der Nähe des Bezugswortes.
  • Relativsätze sind restriktiv oder nicht-restriktiv; restriktiv sind sie, wenn sie das Bezugswort näher bestimmen (und so seine Bedeutung einschränken): (5) der Mast, der an unserer Garage steht. Nicht-restriktive Relativsätze fügen dem Bezugswort lediglich ein Merkmal hinzu: (6) unser Auto, das [bekanntlich] braun ist.
  • Relativsätze können Ergänzungen oder Angaben sein: Ergänzungen sind spezifische (notwendige) Satelliten des Nomens, sie vertreten oft den Genitivus subjectivus: (7) der Fehltritt, den der Großvater beging [= der Fehltritt des Großvaters]; Angaben sind unspezifische (beiläufige) Satelliten, sie können der gesamten Wortklasse zugeordnet werden.
  • Es gibt weiterführende Relativsätze, die sich auf den ganzen Satz beziehen: (8) Die Raupe hat stachelige Haare, was sie vor Feinden schützt.
  • Sie werden durch Komma(s) vom Hauptsatz abgetrennt.
3. Die Relativpronomen
  • sind „der, die, das“ (aus dem Demonstrativpronomen entstanden), „welcher, welche, welches“ (eher im Schriftdeutschen - im Mittelhochdeutschen war „welcher“ bloß ein Fragewort; erst seit dem späten 15. Jahrhundert ist es nach dem Vorbild des lateinischen „qui“ [Frage- und Relativpronomen] auch zu einem Relativpronomen geworden), „wer, was“ („wer“ Personen, „was“ Sachen – beide verallgemeinernd);
  • stellen die Beziehung zu einem Nomen oder Pronomen im übergeordneten Satz her, vgl. (1): „der“ „Der Mann“;
  • richten sich in Geschlecht und Zahl nach dem Bezugswort, vgl. (1): „der“ ist Maskulinum, Singular, wie „Der Mann“,
  • während der Fall sich nach der Funktion im Relativsatz richtet, vgl. (1): „der“ ist Subjekt im Relativsatz, steht also im Nominativ.
4. Relative Adverbien
  • Sie können ebenfalls Relativsätze einleiten, siehe (2).
  • Sie bestehen aus den beiden Teilen „wo[r]“ + Präposition, also „woher, wofür, worüber, worauf“ usw.
  • Die Genitivverbindungen „weshalb, weswegen“ behalten ihre Form.
  • Nach Orts- und Zeitangaben kann ein relatives „wo“ stehen: (9) Es kam die Morgenstunde, wo die Entscheidung nahte.
  • Ein modaler Attributsatz kann mit relativem „wie“ angeschlossen werden: (10) Die Art, wie [= in welcher] er erzählt, gefällt mir.


Quellen: Schülerduden Grammatik; Jung/Starke: Deutsche Grammatik (1990); Ulrich Engel: Deutsche Grammatik (1988/2009).  
Im Canoonet wird der Relativsatz als Attributsatz behandelt, siehe http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Satz/Komplex/Funktion/Attribut/Relativ/index.html mit weiterführenden Links.
Die Unterscheidungen restriktiv/nicht-restriktiv und Ergänzung/Angabe braucht man natürlich in der Sekundarstufe I nicht einzuführen; sie sind vielleicht bei stilistischen Untersuchungen in der Sekundarstufe II (für den Lehrer) hilfreich.

Montag, 13. März 2017

Cornelsen - und kein Ende

Cornelsen ist auf dem Schulbuchmarkt ein Riese; daher kann der Verlag sich jede Menge Schlamperei erlauben. Dass die Bücher weithin miserabel gemacht sind, stelle ich seit Jahren fest. Dieser Tage konnte ich es wieder am Arbeitsheft zum Deutschbuch 8, Integrierte Ausgabe, feststellen.
Ich möchte an einem Beispiel die Schwäche des Arbeitsheftes aufzeigen:
Beispiel: S. 66, Satzglieder.
a) Im Text steht bei "von England nach Amerika" als Bestimmung "adverbiale Bestimmung des Ortes"; in Wahrheit sind das zwei adverbiale Bestimmungen, man kann sie ohne weiteres trennen und an verschiedenen Stellen platzieren. Hier genügte eine Korrektur.
b) In der Liste der Satzglieder fehlen das Präpo-Objekt und das Prädikativ: Satzlehre auf dem Niveau einer 5. Klasse! Im zu bearbeitenden Text kommen aber Präpo-Objekt und Prädikativ vor (wenn auch nicht als einzusetzende Phrasen), nur gibt es dafür laut Tabelle keinen Namen (und keine Erklärung). Wenn man also nicht nur die dafür vorgesehenen Satzglieder einsetzt, sondern auch die anderen Satzglieder im Text bestimmen will, steht man auf dem Schlauch.
Ferner: In der Spalte "Frageprobe" stehen nur Fragewörter ("Wer? Was?" usw.); eine Frageprobe ist aber zweifellos ein ganzer Satz, in dem das zu bestimmende Satzglied durch das Fragewort ersetzt ist. Aus meiner Praxis weiß ich, dass bloße Fragewörter zu äußern sinnlos ist; da sagen/raten die Schüler irgendetwas ohne Sinn und Verstand...
Solche Fehler sind nur durch eine Neubearbeitung zu beheben.
Ich habe der für das Projekt Deutschbuch zuständigen Dame angeboten, dass ich für 250 Euro die Fehler des Heftes korrigieren würde. Mir wurde mitgeteilt, dass für solche außerplanmäßige Arbeit kein Geld vorhanden sei; außerdem seien die Mängel (abgesehen von den zwei adverbialen Bestimmungen) eigentlich auch gar keine Mängel, sondern didaktische Vereinfachung. So kann man es auch sehen, wenn man seinen eigenen Murx nicht korrigieren will: Er verkauft sich ja auch so!

Donnerstag, 9. März 2017

Feministische Propaganda

In einem namentlich nicht gezeichneten Artikel „Feministin nur mit Genderdiplom?“ (https://www.taz.de/!5386533/ undatiert auf taz-online, vermutlich zum Weltfrauentag 2017, also zum 8. März) steht der bemerkenswerte Satz: „Trotzdem bleibt sie beinhart beim generischen Maskulinum, der sie als Frau – zumindest sprachlich – ausschließt.“ Daran ist bemerkenswert, 1. dass die Aussage des Relativsatzes erwiesenermaßen falsch ist, 2. dass die Verfasserin anscheinend „der Maskulinum“ sagt, was ich noch nie gehört habe.
Gegen Ende des Artikels wird Folgendes berichtet: „Kog­ni­tions­forscher*innen haben herausgefunden, dass das, was in der Sprache nicht vorkommt, auch nicht gedacht und damit auch nicht gelebt wird. Wer als Kind immer nur von Trompetern, Fußballern und Taxifahrern hört, denkt irgendwann, dass nur Männer musizieren, Fußball spielen und Auto fahren können. Die oder der kommt dann nie auf die Idee, dass Frauen und Männer das Gleiche können und dafür gleich bezahlt werden müssen. Und Väter ebenso gut für ihre Kinder sorgen können wie Mütter.“ Erstens werden die Kognitionsforscher und ihre Arbeiten nicht genannt, zweitens ist das erwiesenermaßen falsch: Es muss ja wohl die ersten Fußballerinnen gegeben haben, ehe es das Wort „Fußballspielerin“ gab – wie hätte man sonst auf die Idee kommen können, als Mädchen oder Frau Fußball zu spielen [anderseits: Wozu hätte man das Wort bilden sollen, wenn es noch keine Fußballerinnen gab?]? Drittens kennen Leute, die so denken, offenbar nicht die Bedeutung des generischen Maskulinums – daran sind die Feministen schuld, die das generische Maskulinum bewusst falsch verstehen, siehe oben erster Satz!
Alles nach dem Motto: Hauptsache, man hat Argumente, egal ob sie stimmen.

Mittwoch, 8. März 2017

Tempusformen und -system im Deutschen

Normalerweise meinen Schüler, die Tempusformen des Deutschen bezeichneten Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, also die drei Zeitformen oder -stufen.

Dass dem so nicht sein kann, sieht man schon daran, dass es sechs Tempusformen im Deutschen gibt.
Wenn man in den Schülerduden Grammatik (7. Auflage, Nr. 81) schaut, findet man folgende Erklärung: „Die Tempusformen, die mit dem Partizip II und den Hilfsverben sein oder haben gebildet werden, haben eine Gemeinsamkeit: Mit ihnen wird etwas Abgeschlossenes ausgedrückt.“ An dieser Stelle sieht man schön, dass mit einer Tempusform etwas Nicht-Zeitliches gemeint sein kann, eben der Aspekt, dass eine bestimmte Handlung abgeschlossen ist.
Ein differenziertes Verständnis des Tempussystems kann man nicht hoch genug einschätzen; Tempuswechsel in Texten hat immer eine Bedeutung. Die Tempora richtig zu gebrauchen (Präsens für die Analyse, Präteritum fürs Berichten) muss bis in die Sek II hinein geübt werden.
Im Unterricht wird man den Gebrauch der verschiedenen Tempusformen über eine längere Zeit einüben und gelegentlich auf die besondere Bedeutung eines Tempus hinweisen (bzw. sie erarbeiten), ehe man die Bedeutung aller Tempusformen systematisch untersucht; das kann dann in Kl. 8 oder 9 geschehen.

1. Vorbemerkungen
a) Die lateinischen Bezeichnungen führen in die Irre, wenn man meint, sie drückten die Leistungen der deutschen Tempusformen aus.
b) Wir unterscheiden zwischen Zeit oder Zeitstufen (Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft) und den sechs (oder mehr oder weniger – das ist umstritten) Tempusformen der deutschen Sprache.
c) Die Tempusformen haben nicht nur eine zeitliche Bedeutung.
d) Soweit sie eine zeitliche Bedeutung haben, gilt diese aus der Sicht (und Gegenwart) des jeweiligen Sprechers (deixis); dies gilt (indirekt) auch für das zeitliche Verhältnis zweier in Sätzen benannter Ereignisse.
e) Zeitliche Verhältnisse können auch anders als durch das Tempus ausgerückt werden: durch Adverbien (morgen), durch Nomina mit Präposition (am Mittag), durch Adjektive oder Partizipien (im kommenden Jahr) und noch anders.

2. Hauptsätze
a) Das Präsens bezieht sich aus der Sicht des Sprechers auf ein Geschehen, das schon oder noch abläuft, und in diesem Sinn auf „Gegenwärtiges“ bzw. Nicht-Vergangenes. – Für die Feinheiten im Tempusgebrauch sollte man mehrere Grammatiken zu Rate ziehen.
* In der Duden-Grammatik (6. Aufl.) wird bei den Zeitstufen „der Unterschied zwischen Vergangenheit – Nichtvergangenheit“ als für das deutsche Tempussystem wesentlich herausgestellt, weil er für den Funktionsunterschied der beiden Haupttempora Präsens und Präteritum verantwortlich ist; denn auch Zukünftiges wird meistens durch Präsens mit Zeitangabe bezeichnet.
b) Das Präteritum wird (zum Erzählen und Berichten) gewählt, wenn ein Geschehen oder eine Handlung vergangen (und abgeschlossen) ist. Auch das Plusquamperfekt bezieht sich immer auf Vergangenes.
c) Das Perfekt bezeichnet gemäß seiner Bildung (Hilfsverb + Partizip II) den Vollzug oder Abschluss einer Handlung; das wird meistens von Vergangenem gesagt, aber auch in allgemein gültigen Aussagen oder für die Zukunft.
[Beim mündlichen Erzählen wird gerade im Norddeutschen oft das Perfekt statt des Präteritums verwendet.]
d) Das Futur I kann sich wie das Präsens auf Gegenwärtiges wie Zukünftiges beziehen; gerade dem Futur I kommt die modale Komponente „Vermutung“ zu, nach Heinz Vater ist diese sogar die eigentliche Bedeutung des Futur I.
e) Das Futur II braucht man, wenn man sagen will, dass der Abschluss einer Handlung noch bevorsteht oder wenn man vermutet, dass etwas abgeschlossen ist. Das Plusquamperfekt wird gebraucht, wenn in einer Erzählung (im Präteritum) von etwas bereits Abgeschlossenem berichtet wird.
f) Die möglichen Bedeutungen des Präsens nach W. Jung: Grammatik der deutschen Sprache (10. Aufl.):
* Es bezeichnet ausgesprochen gegenwärtiges Geschehen;
* es bezeichnet Vorgänge von Dauer;
* es bezeichnet die Allgemeingültigkeit;
* es bezeichnet in Verbindung mit Temporalangaben Zukünftiges;
* es bezeichnet in Verbindung mit Modalwörtern eine Vermutung;
* es drückt einen energischen Befehl aus (meistens 2. Person);
* es steht als historisches Präsens in Aussagen über Vergangenes.
g) Für den relativen Gebrauch (zeitlicher Bezug zweier Sätze) gelten die Grundregeln:
* Zum Ausdruck der Gleichzeitigkeit der beiden Geschehnisse steht in Teilsätzen das gleiche Tempus.
* Zum Ausdruck der Vorzeitigkeit steht das Perfekt neben Präsens und Futur I, das Plusquamperfekt neben dem Präteritum.
* Zum Ausdruck der Nachzeitigkeit können in den Teilsätzen gleiche oder unterschiedliche Tempusformen gewählt werden.
* Temporale Adverbien, Konjunktionen oder andere Zeitangaben verdeutlichen das Zeitverhältnis; deshalb gelten die genannten Regeln auch nicht ganz streng.

3. Merksatz
Ein Tempuswechsel in einem Text signalisiert etwas; beim Lesen sollte man auf Tempuswechsel achten und sie nicht nur notieren, sondern auch im Kontext zu verstehen suchen.

4. Zusatz
Neben dem Zeitbezug können Tempusformen auch einen Aspekt des Geschehnisses oder eine Aktionsart ausdrücken.
Die Aktionsart ist leichter zu verstehen: Spielart eines Geschehens im Blick auf die Art seiner inhaltlichen Modifizierung (iterativ = wiederholt, intensiv; kausativ = veranlassend, faktisch; inchoativ = anfangend).
Der Aspekt bezeichnet die Verlaufsweise eines Geschehens im Hinblick auf sein Verhältnis zum Zeitablauf:
a) duarativ/imperfektiv (länger andauernd: schlafen, essen);
b) perfektiv/punktuell (zeitliche Begrenzung: Beginn oder Abschluss eines Geschehens: einschlafen – ausessen).

5. Schlussbemerkung
Sagen wir es ruhig: Das Ganze ist ziemlich kompliziert; aber kann man eine geschichtliche Entwicklung von mehr als tausend Jahren in ein einfaches System pressen? Vater (Einführung in die Zeit-Linguistik, 1994, Anm. 17) berichtet, wie das heutige Futur I von Mönchen im Mittelalter erfunden wurde, um das lateinische Futur übersetzen zu können: Neben der heutigen Form („werden“ + Infinitiv) gab es damals noch andere Übersetzungsversuche, aber der uns bekannte Versuch hat sich schließlich durchgesetzt.

6. Ausgewählte Links (März 2017):
http://moodle.hft-leipzig.de/mod/page/view.php?id=426 (einfache Erklärung für Deutsch Lernende, mit fünf Übungen; zwei Konjugationstabellen, aber nur mit haben-Perfekt)
http://rainhk.eu/download/deutsch7/Zeitformen%20des%20Verbs%205%20-%209.pdf (9 Arbeitsblätter, mit Beispielsätzen und Texten)
http://www.grammatikdeutsch.de/html/zeiten-info.html (Konjugationstabellen, mit 12 Übungen - rein formal)
http://www.udoklinger.de/Deutsch/Grammatik/Aktiv-Passiv.htm (Konjugation „lieben“ und „waschen“ im Aktiv und Passiv)
http://mein-deutschbuch.de/tempus.html (die Bedeutung und ausführlich die Bildung der Tempusformen, Beispiele in Sätzen)
http://hypermedia.ids-mannheim.de/call/public/gruwi.ansicht?v_typ=o&v_id=4146 (umfangreiche Theorie des Tempussystems, geht von der Formbildung der deutschen Tempora aus und erklärt dann die Leistung der einzelnen Tempora:
http://home.uni-leipzig.de/doelling/veranstaltungen/semprag9.pdf (komplexe Theorie der „Temporalität“ und des Aspekts – plus Modalität, aber das interessiert uns jetzt nicht)
http://www.personal.uni-jena.de/~x1gape/Wort/Wort_Verb_Tempus.pdf (das Tempus-Modus-System im Deutschen, komplex, gut verständlich für Lehrer)

http://www.klassenarbeiten.de/klassenarbeiten/klasse5/deutsch/klassenarbeit52_grammatik.htm (Klassenarbeit Kl. 5, rein formal, mit starken Verben – würde ich so nicht stellen)

Mittwoch, 1. Februar 2017

Verbform „worden“

Nach 40 Jahren als Deutschlehrer habe ich heute erstmals über die Verbform worden nachgedacht: 'Ich bin von einem Hind gebissen worden.'
Klar, worden kommt von werden", aber Partizip II zu werden ist geworden - oder!? Nach einigem Forschen bin ich dann dahintergekommen, dass geworden das Partizip des normalen Verbs werden ist, worden dagegen das Partizip II des Hilfsverbs werden. Aber wieso die Formen sich unterscheiden, ist mir nirgendwo erklärt worden.

In Weigand, Deutsches Wörterbuch II 2, 1871, findet sich unter „werden“ folgender Hinweis: „Das Part. des Prät. lautet eigentlich worden, aber schon früh-nhd. drang geworden ein. (...) Später schieden sich worden und geworden so, daß dieses concret und jenes abstract genommen, also als Participium des Hilfsverbs steht...“ Dem widersprechen noch Campe: Wörterbuch der deutschen Sprache, 1811, und Adelung, 2. Auflage: wenn das Participium von werden das Hülfswort ist, so ist es alle Mahl mit einem andern Participio Präteriti verbunden, welches bereits sein Augment hat, daher geworden das seinige, um des Wohlklanges Willen, verlieret; ich bin geliebt worden, für geliebt geworden.
Sanders: Wörterbuch der Deutschen Sprache, II 2, 1876, stimmt wieder mit Weigand überein: „Doch findet sich in der älteren Sprache gewöhnlich worden für das heutige geworden und so z.B. noch a) bei Eigenschaftswörtern und Adverbien: bin worden alt und grau (Chamisso)... b) mit prädikativem Hauptwort...“ 

Dienstag, 31. Januar 2017

Nicht immer nur googeln...


Nicht immer nur googeln...

Tipps von KollegInnen für KollegInnen
- Christian Mantsch
- Ulrike Hemmert
- Eva-Susanne Graffmann
- Renate Kuffart
- Jürgen Spitzlay

Folien des Sammelvortrags vom 18. März 2014 - 5. Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Kirchlichen Hochschulbibliotheken (AGKH) in Bamberg

Sonntag, 29. Januar 2017

Rechtschreibung - Rechtschreibreform

Die sogenannte Rechtschreibreform hat nicht viel Gutes gebracht. Inzwischen gibt es die Reform der Reform und immer noch Streit. Ich nenne einige wichtige Links zum Thema:

http://www.rechtschreibrat.com/der-rat/ (deutschsprachiger Rat)
http://sok.ch/ (Schweizer Rat)
https://www.korrekturen.de/ (Portal für Rechtschreibung)
http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/april-april-deutsche-rechtschreibung-wird-abermals-reformiert-11702725.html (Satire)

Vgl. auch 


https://norberto68.wordpress.com/2011/12/02/alte-rechtschreibung-regeln-und-worterbuch-worterliste/


Ganz holzschnittartig lässt sich Folgendes feststellen: Ein Bereich, der seit Jahrhunderten diskutiert wird, ließe sich durchaus systematisch verbessern: Die sogenannte Laut-Buchstaben-Zuordnung, insbesondere die Schreibung von Lang- und Kurzvokalen (Dehnungs-h, Doppelvokal, Doppelkonsonant). Nur: an diesem Vorhaben sind schon zahlreiche frühere Reformen gescheitert. Es führt zu einer drastischen Veränderung des Schriftbildes. Hier stößt der Reformwunsch an die Mauer des Bewusstseins, dass unsere Rechtschreibung historisch geprägt und der Dauer verpflichtet ist.
Ganz anders ist die Lage bei den beiden großen Problembereichen der jüngsten Reform: groß oder klein, getrennt oder zusammen. Sie sind das eigentliche Kernstück unserer Rechtschreibung. Die Großschreibung der Substantive hat sich als ein wirkungsvolles Instrument bewährt, das Lesen des Deutschen zu erleichtern. Durch Substantivierung (das Wandern, das Hoch, das Für und Wider) versetzten wir Verben, Adjektive, Präpositionen in eine substantivische Rolle und schreiben sie groß. Umgekehrt können Substantive verblassen, wie dies schon die allerersten Dudenregeln beschrieben (mir ist angst, er geht pleite), und verlieren ihre Großschreibung. Die Rechtschreibung folgt hier dem Sprachgebrauch. Ähnliches gilt für die zahlreichen Zusammenschreibungen wie richtigstellen, spazierengehen, wohlverdient, halbvoll usw. Der Prozess der sogenannten Univerbierung, also der Einswerdung von zwei Wörtern, vollzieht sich wortweise, ohne Systematik. Darum kann es dafür keine systematischen Regeln geben, sie verhindern geradezu die sensible Anpassung der Schreibung an den Sprachgebrauch.
Vor zehn Jahren taten sich Buch- und Zeitungsverleger, Autoren, Wissenschaftler und Lehrer in der Schweiz zusammen, „um die Einheitlichkeit und Sprachrichtigkeit der Rechtschreibung in Presse und Literatur der Schweiz wiederherzustellen“. Sie gründeten die Schweizer Orthographische Konferenz (SOK), die sich seitdem um Vermittlung im Rechtschreibstreit bemüht. Die jüngsten Empfehlungen (www.sok.ch) wollen die Variantenvielfalt zugunsten der traditionellen Schreibung beseitigen. Das ist praktizierte Demokratie, von der auch die KMK lernen kann.
 

Genderdeutsch


Genderdeutsch
Dies ist ein ganz böses Kapitel sprachlicher Verunstaltung. Die vermeintliche Gleichbehandlung von Männern und Frauen oder die sogenannten „geschlechterneutralen“ Formulierungen sind völlig unnütz, niemand braucht sie, und außer durch Politiker, die sie massiv vorantreiben und sogar „Rechtsvorschriften“ dazu initiieren, was immer das sein mag, werden sie von den deutschsprechenden Völkern im wesentlichen ignoriert. Das ist sicher der gesündeste Part in diesem Prozeß. Frauen mit Bildung und Intelligenz begrüßen das Genderdeutsch auch nicht. Auch die orthographischen Auswüchse wie Schrägstrich-innen oder ein großes I inmitten eines Wortes (Mitarbeiter/innen, MitarbeiterInnen) werden in den deutschsprechenden Völkern mehrheitlich abgelehnt.

Hier einige Tendenzen und Beispiele, die den ganzen Unsinn zeigen.
  • Die in allen Lebensbereichen erhobene Forderung nach ständiger Doppelnennung der Geschlechter gilt merkwürdigerweise nicht ohne Einschränkung. Zum Beispiel wird
    • Täterinnen und Täter,
    • Verbrecherinnen und Verbrecher,
    • Diebinnen und Diebe oder auch
    • Betrügerinnen und Betrüger
nicht gefordert. Warum eigentlich nicht? In allen anderen Fällen wird ja die sogenannte „Gleichbehandlung“ von Männern und Frauen kategorisch verlangt. Möglicherweise soll mit dem Fehlen weiblicher Benennungen weibliche Kriminalität geleugnet werden. Das widerspricht aber den Tatsachen der gegenwärtigen Entwicklung.

Der wahre Grund ist jedoch woanders zu finden. Das Genderdeutsch wurde forciert inszeniert, als sich die Frauen im Jahre 1918 in Deutschland endlich das Wahlrecht erkämpft hatten. In dieser Errungenschaft haben Politiker das große Potential erkannt, welches die Frauen als Wähler darstellen, und so begann man, um diese Wählerstimmen zu buhlen, mit allen Mitteln, auch mit sprachlichen. Dafür sind natürlich Negativbegriffe wie oben ungeeignet. Der Prozeß verlief im Einklang mit militanten Feministen (das sind Männer und Frauen! Man muß das heute schon explizit sagen), die mit großer Intensität begannen, glaubhaft machen zu wollen, das grammatische Genus eines Begriffes sei mit dem biologischen Geschlecht des Begriffsträgers gleichzusetzen und folglich seien mit dem maskulinen grammatischen Genus Frauen aus der Nennung ausgeschlossen. Die Sprachwissenschaft versucht geradezu mit Engelzungen, diesen Irrtum aufzuklären. Bedauerlicherweise sind aber Politiker und Feministen stärker und setzen mit grobem Machtgehabe ihre beschränkten Sprachkenntnisse durch.

  • Die Begriffskombination Mitglieder und Mitgliederinnen, die ich in einer Gewerkschaftszeitung aufgefunden habe, ist vermutlich von einem Politiker: Weiblich um jeden Preis, auch wenn es grammatisch völlig unmöglich ist. Es ist zwar falsch, aber es klingt gut, und das ist wichtiger.

  • Brautpaar. Warum eigentlich nicht Braut/Bräutigampaar? Eine Braut allein ist schließlich noch kein Paar. Der Begriff Brautpaar ist ja nun doch sehr weiblich besetzt, so daß kaum die Gefahr der Realisierung meiner Idee besteht, Männer kommen seltener auf solche ulkigen Vorschläge.

  • Der Mensch - grammatisch maskulin, eine feminine Form gibt es nicht. Nach dem irrigen Sprachverständnis derer, die das grammatische Genus und das biologische Geschlecht immer noch als dasselbe ansehen, so daß also grammatisch maskulin biologisch männlich bedeute, können demnach nur Männer Menschen sein, weil Frauen, wie jeder weiß, nicht männlich sind.

  • Die Persönlichkeit - grammatisch feminin, eine maskuline Form existiert nicht. Nach der politisch suggerierten Sprachfehlleistung, grammatisch feminin sei biologisch weiblich, könnten deshalb nur Frauen Persönlichkeiten sein, denn Männer sind nicht weiblich.

  • Der Junge ist grammatisch maskulin. Heißt das, daß er männlich ist? Wie sollen wir dann das Mädchen verstehen? Es ist nicht feminin, es ist ein Neutrum. Also, nicht weiblich? Wie nun? Hier muß man tatsächlich das biologische Geschlecht betrachten: Ehe der Junge ein Mann wird, vergehen 16 bis 18 Jahre, und dann ist er kein Junge mehr. Der Junge ist also nicht männlich, sondern grammatisch maskulin. Bei dem Mädchen dauert es auch etwa so lange, ehe es eine Frau wird. Aber das Mädchen ist ja ohnehin nicht weiblich, pardon, nicht feminin.

  • Ich will einmal als Beispiel mit dem Genderdeutsch ein Problem der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland behandeln. Ich treffe die Feststellung Angela Merkel ist der achte Bundeskanzler der Bundesrepublik. Sofort werde ich attackiert: Angela Merkel sei nicht Bundeskanzler, sondern Bundeskanzlerin. Ich korrigiere also: Angela Merkel ist die achte Bundeskanzlerin der Bundesrepublik. Nun aber ist die Aussage falsch, denn die anderen waren alle sieben Männer. Um die Aussage richtigzustellen, korrigiere ich wieder: Angela Merkel ist die erste Bundeskanzlerin der Bundesrepublik. Das ist zwar richtig, aber darum ging es gar nicht. Die Aussage, die ich vornehmen will, kann man mit dem Genderdeutsch gar nicht mehr ausdrücken, ohne auf die orthographischen Mißgestaltungen mit dem Schrägstrich oder großem I zurückzugreifen.

  • All diese Wirrnisse entstehen nur durch das Genderdeutsch. Es taugt zu nichts, außer zu großem Unsinn. Hier aber hätte es wirklich Sinn, sich einmal am Englischen zu orientieren. Dort gibt es solche Probleme nicht, obwohl es auch im Englischen feminine Formen gibt. Zum Beispiel authorness - die Autorin. Aber sie werden nicht verwendet. Die englischsprechenden Völker wollen sie nicht haben.

  • Dieses ganze Prozedere führt dann zu abartigen Auswüchsen, wie einerseits zu den absurden Darstellungen im Entwurf einer Verordnung über das Fleischhygienerecht aus der Feder Herrn lic. iur. Urs-Peter Müllers vom Bundesamt für Veterinärwesen der Schweiz oder andererseits zu der völlig konfusen Formulierung in einer Dissertation, beides gefunden durch den Schweizer Sprachwissenschaftler Dr. Arthur Brühlmeier, nachlesbar unter http://www.unipohl.de/Appell.htm, dort Abschnitt 2., Staatsfeminismus.

  • Welch unglaubliche Blüten der militante Feminismus in Verbindung mit politischem Machtgetöse in seiner Endphase austreiben kann, erfährt man an der Universität Leipzig, an der - angeregt durch die Rektorin Professor Doktor Beate Schücking - grammatisch maskuline Benennungen per Senatsbeschluß abgeschafft werden sollen und den abstrusen Benennungen wie zum Beispiel Herr Professorin, Herr Doktorin oder Herr Dozentin zu weichen haben. Andere Universitäten sollen folgen. Ausführlicher beleuchtet habe ich dies unter http://www.unipohl.de/Femininmaenner.htm.

http://www.linguistik-online.com/39_09/elmiger.html

P.S. Aufgrund einer kritischen Anfrage stelle ich meine Position dar:
1. Eine der wichtigsten Forderungen an den, der spricht, lautet: „Rede kurz!“ So lautet zum Beispiel die erste Regel in „Goldene Regeln der Rhetorik“ von Marcus Knill (http://rhetorik.ch/Goldeneregeln/Goldeneregeln.html; vgl. „In der Kürze liegt die Würze.“). Otto Behaghel spricht ausdrücklich von der Sparsamkeit der mündlichen Rede (Die Deutsche Sprache, 7. Aufl. 1923, S. 50). Alle sprechen von einem Kilo, nicht von einem Kilogramm, und man bestellt ein Soda, nicht ein Sodawasser. Diese Tendenz zur Kürze ist so stark, dass heute bereits Verben ausgelassen werden: Schulz kann Wahlkampf. oder Hecking kann Abstiegskampf.
2.1 „Ein generisches Maskulinum ist die Verwendung eines maskulinen Substantivs oder Pronomens, wenn das Geschlecht der bezeichneten Personen unbekannt oder nicht relevant ist oder wenn männliche wie weibliche Personen gemeint sind. Beispiel: Das Wort „Studenten“ in der Verwendung als generisches Maskulinum bezieht sich auf eine Gruppe von Studierenden unbekannten Geschlechts oder eine gemischtgeschlechtliche Gruppe. Generische Maskulina gibt es in vielen Sprachen.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Generisches_Maskulinum) Wenn ich einen Arzttermin habe, stelle ich mir doch keine Verabredung mit einem Mann vor, und die Arztpraxis ist die Praxis eines Arztes oder einer Ärztin - das Wort Arztpraxis sagt darüber nichts und regt auch nicht die Vorstellung eines Mannes an.
2.2 Das generische Maskulinum erfüllt das Gebot der Kürze (s. 1.).
2.3 Das generische Maskulinum diskriminiert Frauen nicht, setzt sie nicht herab und behandelt sie nicht als unwichtig oder zweitrangig.
3.1 Deshalb besteht kein Grund dafür, eine sogenannte geschlechtergerechte Sprache einzuführen, in der es von Wiederholungen wimmelt, die also gegen das Gebot der Kürze verstößt. (Dazu https://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechtergerechte_Sprache)
3.2 Vor allem ändert eine „geschlechtergerechte Sprache“ nichts an realen Verhältnissen, in denen Frauen ungerecht behandelt werden. - Ich schließe mich der Forderung an, Frauen und Männer gleichberechtigt zu behandeln, also z.B. gleichen Lohn für gleiche Arbeit zu zahlen.
3.3 Gut scheint mir die Stellungnahme Peter Müllers von der SOK zu sein:
„Rein sprachlich gesehen, ist die permanente Nennung der weiblichen Formen unnötig. In den Formen Verkäufer usw. kann man ein sogenanntes generisches Maskulinum sehen, das mit dem biologischen Geschlecht nichts zu tun hat. Ein Indiz dafür ist, dass es auch generische Feminina und Neutra gibt: die Wache, die Gans, die Geisel, die Waise, das Opfer, das Kind, die Person. Alle Diminutive sind generische Neutra: das Mädchen, das Schneiderlein (siehe auch „Generisches Maskulinum“ auf Wikipedia).
Die systematische Nennung der weiblichen Schreibweisen führt zu schweren Beeinträchtigungen der Lesbarkeit. Sie kann auch gar nicht vollständig durchgehalten werden, z. B. in Zusammensetzungen: Bürgervertreter müsste in Bürger- und Bürgerinnenvertreter und -vertreterinnen umgesetzt werden.
Die aus politischer Korrektheit vor allem von feministischer und linker Seite geforderte zunehmende Verwendung von weiblichen Schreibweisen führt dazu, dass unter dem neutralen generischen Maskulinum schliesslich wirklich nur noch Männer verstanden werden, fälschlicherweise auch in denjenigen Fällen, in denen beide biologischen Geschlechter gemeint sind: da, wo auch Verfechter der feministischen Schreibweisen ihr System nicht durchhalten können (s. o.), oder in der Normalschreibweise, in der der Schreiber das generische Maskulinum meint. Dem Anliegen der Gleichstellung wird damit eher geschadet als genutzt.
Inzwischen kommt niemand mehr um die Berücksichtigung dieser Entwicklung herum. Dabei ist eine moderate Anwendung der weiblichen Formen zu empfehlen. Mehrere Institutionen wie der Duden, in der Schweiz die Bundeskanzlei, haben dazu Richtlinien herausgegeben. Doppelnennungen werden vor allem in (feierlichen) Ansprachen empfohlen. In Stelleninseraten sind sie teils sogar vorgeschrieben. In vielen Fällen werden Ersatzformulierungen wie Studierende (statt Studenten und Studentinnen) empfohlen. Das sogenannte Binnen-I hingegen widerspricht den (herkömmlichen und reformierten) Rechtschreibregeln und ist damit rechtschreiblich gesehen falsch.
In längeren Dokumenten kann auch der Hinweis angebracht werden, dass im Text das generische Genus verwendet wird (nicht dass Frauen „mitgemeint“ seien), z. B. aus einem Dokument der SDA: Hinweis: In diesem Dokument wird aus sprachlichen Gründen (Lesbarkeit, Ästhetik) das generische Genus (in der Regel das generische Maskulinum) angewendet. Das generische Maskulinum (z. B. der Mitarbeiter, der Vorgesetzte) bezeichnet das biologische Genus genauso wenig wie das generische Femininum (z. B. die Waise, die Geisel) oder das generische Neutrum (z. B. das Männchen, das Mädchen). Wo nicht ausdrücklich unterschieden wird, sind immer beide biologischen Genera gemeint.“
Peter Müller, SOK (http://sok.ch/2007/11/weibliche-formen/)
3.4 Im Duden-Newsletter findet sich folgende Erklärung – leider wird nur auf das Regelwerk geschaut und nicht gefragt, ob die Doppelnennung sinnvoll ist:
„Die höflichste und eindeutigste Variante der sprachlichen Gleichstellung ist die Doppelnennung. Besonders in der persönlichen Anrede können die Doppelformen Leserinnen und Leser, Schülerinnen und Schüler verwendet werden. Die konsequente Doppelnennung im weiteren Text macht diesen aber schwerfällig und schlecht lesbar. Zur verkürzten Darstellung von Doppelformen bietet sich der Schrägstrich an: Mitarbeiter/-innen; die Schreibung ohne den Auslassungsstrich ist nicht korrekt.
Allerdings kann mithilfe des Schrägstrichs nur verkürzt geschrieben werden, wenn sich die Wörter ausschließlich in der Endung unterscheiden (also z. B. nicht bei Arzt/Ärztin). Ähnlich dem Schrägstrich können Doppelnennungen auch durch Klammern verkürzt werden, z. B. Mitarbeiter(in), Kolleg(inn)en.
Die Verwendung des großen I im Wortinnern (Binnen-I) entspricht nicht den Rechtschreibregeln.“ (http://www.duden.de/sprachwissen/newsletter/Duden-Newsletter-070111)

3.5 Ich empfehle, in der persönlichen Anrede die Doppelnennung zu verwenden, die verkürzte Darstellung von Doppelformen aber nur, wo es entweder vorgeschrieben ist oder es zu Missverständnissen kommen kann, falls sie nicht verwendet werden.  

P.S. 
In seinem Aufsatz „Das missbrauchte Geschlecht“ (SZ 3. März 2017, S. 14; vgl. das Interview http://www.deutschlandfunk.de/linguist-kritisiert-geschlechtergerechte-sprache-ein.691.de.html?dram:article_id=380828) zeigt Peter Eisenberg, wie sprachlich unbedarft die GenderInnen und GenderAußen sind: „Das Genus in den indoeuropäischen Sprachen ist entstanden durch Zweiteilung in Bezeichnungen für Belebtes (später Maskulinum) und Unbelebtes (später Neutrum). Das Femininum kam als drittes Geschlecht hinzu und spezialisierte sich auf Kollektiva und Abstrakta. Mit dem natürlichen Geschlecht weiblich hatte es nichts zu tun, und dabei ist es bis heute im Wesentlichen geblieben.“

Eisenberg verweist noch auf Roman Jakobsons Entdeckung, dass in allen grammatischen Kategorien jeweils eine als unmarkierte (mit unspezifischer Bedeutung, Hintergrund), eine als markierte (mit spezieller Bedeutung und aufwendigerer Form) fungiert (z.B. Aktiv-Passiv), mit entsprechenden Konsequenzen für das Genussystem. Zur Markierungstheorie: 
https://de.wikipedia.org/wiki/Markiertheit (kurz) 
http://www.personal.uni-jena.de/~x1gape/Wort/Wort_Unterspez.pdf (ausführlicher) 
http://www.christianlehmann.eu/ling/ling_theo/markiertheit.php (ausführlich) 
http://hypermedia.ids-mannheim.de/call/public/gruwi.ansicht?v_id=4057 (speziell: Flexionsmorphologie) 
https://de.wikipedia.org/wiki/Roman_Ossipowitsch_Jakobson (über Roman Jakobson)

Fazit: Genderdeutsch verschangeliert die deutsche Sprache. Angesichts der realen Probleme unserer Welt mutet der Kampf für Genderdeutsch wie ein Akt feministischer Selbstbefriedigung an.