Freitag, 22. September 2017

Literaturportale im Netz


Es gibt verschiedene Portale, die europäische Literatur und anderes anbieten, ohne dass man etwas zahlen oder sich anmelden müsste – leider erst dann, wenn das Urheberrecht erloschen ist:

http://www.zeno.org/ (sehr übersichtlich, aber kleine Schrift)
http://gutenberg.spiegel.de/ (größere Schrift, aber nicht übersichtlich: Man kann nur Seite für Seite umblättern!)
https://www.offenesbuch.com/ (übersichtlich und große Schrift)

Mittwoch, 6. September 2017

Auslegen und Einlegen (Schlegel)

Nicht selten ist das Auslegen ein Einlegen des Erwünschten, oder des Zweckmäßigen, und viele Ableitungen sind eigentlich Ausleitungen. Ein Beweis, daß Gelehrsamkeit und Spekulazion der Unschuld des Geistes nicht so schädlich sind, als man uns glauben machen will. Denn ist es nicht recht kindlich, froh über das Wunder zu erstaunen, das man selbst veranstaltet hat?

(F. Schlegel, Fragment 25, in Athenaeum. Ersten Bandes Zweytes Stück, 1798)

Dienstag, 15. August 2017

Über den Nutzen von Hilfsverben - ein Beitrag aus "Tristam Shandy"

In „Leben und Ansichten von Tristam Shandy, Gentleman“ habe ich (allerdings in der modernen Walter-Übersetzung) eine köstliche Passage über den Nutzen der Hilfsverben gefunden. Tristams Vater hat sich Gedanken über die Erziehung seines Sohnes gemacht, hält sie in einem Buch fest und trägt sie hier seinen staunenden Zuhörern vor. Ich gebe sie leicht gekürzt wieder:

Ich bin überzeugt davon, Yorick, fuhr mein Vater fort, indem er halb las, halb frei sprach, daß es auch in der intellektuellen Welt eine nordwestliche Durchfahrt giebt, und daß die Seele des Menschen einen kürzeren Weg einschlagen kann, um zum Wissen und zum Erkennen zu gelangen, als den gewöhnlichen. – Aber ach! nicht neben jedem Acker läuft ein Fluß, oder ein Bach – nicht jedes Kind, Yorick, hat einen Vater, der ihm diesen Weg zeigen könnte.
Das Ganze beruht – dies sagte mein Vater mit leiserer Stimme – auf den Hülfszeitwörtern.
Hätte Yorick auf Virgils Natter getreten, er hätte nicht erschrockener aussehen können. – Ich erstaune selbst darüber, rief mein Vater, der es bemerkte, und halte es für einen der beklagenswerthesten Uebelstände unseres Bildungsganges, daß die, welchen die Erziehung unserer Kinder anvertraut ist, deren Geschäft es sein sollte, ihren Geist zu entwickeln und ihn mit Ideen zu befruchten, damit die Einbildungskraft sich frei bewege, bis jetzt so wenig Nutzen von den Hülfszeitwörtern gezogen haben, wie es der Fall ist, mit Ausnahme etwa von Raymond Lullius und dem ältern Pellegrini, welcher Letztere sich in dem Gebrauche derselben bei seinen Gesprächen eine solche Fertigkeit erworben hatte, daß er einen jungen Mann in wenigen Lehrstunden dahin bringen konnte, über jeden beliebigen Gegenstand ganz plausibel pro und contra zu reden und Alles, was darüber gesagt oder geschrieben werden konnte, zu sagen oder zu schreiben, ohne sich in einem Worte verbessern zu müssen, worüber Alle, die es sahen, erstaunt waren.
Ich möchte das gern ganz begreifen, unterbrach Yorick meinen Vater. – Sie sollen es, erwiederte dieser. – Die höchste Anwendung, deren ein Wort fähig ist, ist als bildlicher Ausdruck, – wodurch meiner Ansicht nach die Vorstellung gemeiniglich eher abgeschwächt, als verstärkt wird – doch lassen wir das; hat nun der Geist diese Anwendung davon gemacht, so ist die Sache zu Ende; – Geist und Vorstellung sind mit einander fertig, bis eine zweite Vorstellung auftritt u.s.w.
Nun sind es aber die Hülfsverben, welche die Seele in den Stand setzen, das ihr zugeführte Material selbstständig zu behandeln, und durch die Beweglichkeit der großen Maschine, um die es läuft, neue Wege der Untersuchung zu eröffnen und jede einzelne Vorstellung millionenfach zu vervielfältigen.
Sie erregen meine Neugierde im höchsten Grade, sagte Yorick. [...]
Die Hülfsverben, von denen hier die Rede ist, fuhr mein Vater fort, sind sein, haben, werden, mögen, sollen, wollen, lassen, dürfen, können, müssen und pflegen in den verschiedenen Zeiten der Gegenwart, Zukunft oder Vergangenheit und in Verbindung mit dem Verbumsehen angewandt. Als positive Frage: Ist es? Was ist es? Kann es sein? Konnte es sein? Mag es sein? Mochte es sein? – Als negative Frage: Ist es nicht? War es nicht? Soll es nicht sein? – Oder affirmativ: es ist – es war – es muß sein, – oder chronologisch: Ist es je gewesen? Kürzlich? Wie lange ist es her? – oder hypothetisch: Wenn es war? Wenn es nicht war? Was würde daraus folgen? Wenn die Franzosen die Engländer schlagen sollten? Wenn die Sonne aus dem Thierkreis treten würde?
Würde nun eines Kindes Gedächtniß durch den rechten Gebrauch und die rechte Anwendung dieser Formen geübt, fuhr mein Vater fort, so könnte keine Vorstellung in sein Gehirn eintreten, und wäre es auch noch so unfruchtbar, ohne eine unendliche Menge von Begriffen und Folgerungen daraus zu ziehen. – Habt Ihr schon einmal einen weißen Bären gesehen? rief mein Vater und kehrte sich rasch nach Trim um, der hinter seinem Stuhle stand. – Nein, Ew. Gnaden, erwiederte der Korporal. – Aber Ihr könntet darüber reden, Trim, sagte mein Vater, wenn es sein müßte? – Wie wäre denn das möglich, Bruder, sagte mein Onkel Toby, wenn er nie einen gesehen hat. – Das brauch' ich gerade, erwiederte mein Vater, Du sollst sehen, daß es möglich ist:
Ein weißer Bär! Sehr wohl, habe ich je einen gesehen? Könnte ich jemals einen sehen? Werde ich jemals einen sehen? Dürfte ich jemals einen sehen? oder – sollte ich jemals einen sehen?
Ich wollte, ich hätte einen weißen Bären gesehen! (wie könnte ich mir sonst einen vorstellen?)
Sollte ich einen weißen Bären sehen, was würde ich dazu sagen? Wenn ich nie einen weißen Bären sehen sollte, was dann?
Wenn ich nie einen weißen Bären habe sehen können, sollen, dürfen, – habe ich vielleicht ein Fell von ihm gesehen? Habe ich einen abgebildet, geschildert gesehen? Habe ich je von einem geträumt?
Haben mein Vater, meine Mutter, mein Onkel, meine Tante, mein Bruder oder meine Schwestern je einen weißen Bären gesehen? Was würden sie darum geben? Wie würden sie sich dabei betragen? Wie würde der weiße Bär sich dabei betragen? Ist er wild? zahm? schrecklich? struppig? glatt?
Ist es der Mühe werth, einen weißen Bären zu sehen?
Oder eine weiße Bärin?
Ist es keine Sünde?
Ist es besser, als eine schwarze?

(5. Buch, Kap. 42 und 43, bzw. in der hier benutzen Ausgabe http://www.zeno.org/Literatur/M/Sterne,+Laurence/Roman/Tristram+Shandy: Zweiter Band, Kap. 42 und 43)

Neben dem satirischen Seitenhieb auf mehr oder weniger sinnvolle grammatische Übungen und leeres rhetorisches Stroh erkenne ich hier eine Parodie auf die Fragen des Beichtspiegels.

Samstag, 12. August 2017

Wozu Weblogs gut sind


„Gar wenig frommen dem spekulativen Kopfe die ureigenen Ansichten, - - - - solange er sie nicht auch tüchtig unter die Leute bringen kann:“ (L. Sterne: Leben und Ansichten von Tristam Shandy, Gentleman, I 25)

Samstag, 29. Juli 2017

Lesen durch Schreiben - ein Irrweg?

Mit dem Dienstbeginn der neuen Kultusministerin in NRW wird auch die Methode „Lesen durch Schreiben“ auf den Prüfstand gestellt. Dass man als Erstklässler so schreiben soll, wie man spricht, ist das oberste Prinzip dieser Methode, die den Kindern Freude am Schreiben vermitteln soll, aber eben nicht zur korrekten Rechtschreibung führt und führen kann – und deshalb mindestens ab dem 2. Schuljahr durch Strategien zur Rechtschreibung ergänzt werden muss.
Ob die Methode im 1. Schuljahr der Heilsweg oder ein Pfad in den Abgrund ist, ist eine heftig diskutierte Glaubensfrage. Ich gebe hier eine Übersicht über verschiedene Standpunkte, die man im Netz findet:

https://de.wikipedia.org/wiki/Schriftspracherwerb#Offene_Lernangebote Übersicht über die verschiedenen Methoden des Schreibenlernens
http://www.niekao-lernwelten.de/?p=654 Bericht eines Lehrers, differenziert


Wenn man die verschiedenen Standpunkte an Personen festmacht:
Marburger Studie (kritisch)
Günter Jansen kritisch
Christa Röber kritisch
Schründer-Lenzen kritisch
Reinold Funke (Studie)
Jürgen Reichen pro

Hans Brügelmann pro

Samstag, 8. Juli 2017

Zum 70. Geburtstag

für einen lieben Freund, beinahe wörtlich von Heinrich Heine:

Mich locken nicht die Himmelsauen
Im Paradies, im selgen Land;
Dort find ich keine schönre Frauen
Als ich bereits auf Erden fand.

Kein Engel mit den feinsten Schwingen
Könnt mir ersetzen dort mein Weib;
Auf Wolken sitzend Psalmen singen,
Wär auch nicht just mein Zeitvertreib.

O Herr! Ich glaub, es wär das Beste,
Du ließest mich in dieser Welt;
Heil nur zuvor mein Leibgebreste,
Und sorge auch für etwas Geld.

Ich weiß, es ist voll Sünd und Laster
Die Welt; jedoch ich bin einmal
Gewöhnt, auf diesem Erdpechpflaster
Zu schlendern durch das Jammertal.

Genieren wird das Weltgetreibe
Mich nie, denn selten geh ich aus;
Mit Büchern und den Bildern bleibe
Ich gern bei meiner Frau zu Haus.

Laß mich bei ihr! Hör ich sie schwätzen,
Trinkt meine Seele die Musik
Der holden Stimme mit Ergötzen.
So treu und ehrlich ist ihr Blick!

Gesundheit nur und Geldzulage
Verlang ich, Herr! O laß mich froh
Hinleben noch viel schöne Tage
Bei meiner Frau in statu quo!


"Mit Büchern und den Bildern" kann man natürlich dem Jubilar entsprechend ersetzen, zum Beispiel durch "Mit Bierchen und der Zeitung" oder "Mit Bierchen und dem Krimi" usw.

Freitag, 7. Juli 2017

Sammlung deutscher Redewendungen

Alphabetischer Index der deutschen Redewendungen, zu denen man Belege und Erläuterungen aus dem Internet aufrufen kann:
Die Seite, von der aus sich systematisch alles erschließt:
http://www.ettinger-phraseologie.de/
Zusammenstellung von Links zu Redewendungen, Redensarten, Sprichwörtern; Aphorismen (2010):

https://norberto68.wordpress.com/2010/12/26/deutsche-redewendungen-redensarten-sprichworter/

Sonntag, 18. Juni 2017

Sachtext zusammenfassen (2. Beispiel: Zeitungsbericht)

    30. Mai 2017 | 13.20 Uhr (rp-online)

"Paddeln statt Datteln"

Medienkonsum-Studie scheitert an Jugendsprache

Düsseldorf. In den sozialen Netzwerken amüsieren sich viele User über die Präsentation der Blikk-Studie zum übermäßigen Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen. Grund sind darin enthaltene absurde Formulierungen und Bilder. Das zuständige Institut verteidigt sein Konzept.  Von Marcel Romahn

70 Prozent der Kinder im Kita-Alter nutzen das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde am Tag. Konzentrationsprobleme, Hyperaktivität und Einschlafstörungen seien die Folge. Diese beunruhigende Entwicklung zeichnet sich in der Blikk-Studie ab, die am Montag von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
Das Thema ist ernst. Doch die Präsentation zur Studie, die vom Fachbereich Medizinökonomie und Gesundheit der Rheinischen Fachhochschule Köln erstellt wurde, provoziert in den sozialen Netzwerken Hohn und Spott. Denn einige Schlagworte und Bilder darin - da sind sich die User auf Facebook und Twitter einig - passen eher in die Kategorie "unfreiwillig komisch".


Gewollter "Eyecatcher" 

"Bicken statt Liken" heißt es auf einer der Präsentationsseiten. Gemeint ist, dass sich Kinder eher draußen in der Natur aufhalten oder Sport machen sollten, anstatt lange Zeit mit dem Smartphone beispielsweise auf Facebook zu surfen. Der Rechtschreibfehler im englischen Wort (eigentlich: biken) führt diesen Leitsatz jedoch ad absurdum. 
Außerdem amüsieren sich viele User über den offenbar vergeblichen Versuch des Instituts, die Jugendsprache in ihre Präsentation einzubinden. "Paddeln statt Datteln", lautet ein weiterer Schlagsatz. Gemeint ist hier offenbar das Wort "daddeln" (umgangssprachlich für: Videospiele spielen) und nicht etwa die Frucht. "Was haben die gegen Datteln?", spottet ein User. 
Auch die Bebilderung der Präsentation, die offenbar eine Bilderbuchfamilie in ihrem Alltag darstellen soll, wirkt in den Augen der Kritiker unrealistisch, komisch und absurd - etwa, wenn eine Familie mit breitem Grinsen beim gemeinsamen Essen oder dicht gedrängt auf der Wohnzimmercouch abgebildet wird. 
Trotz aller Kritik verteidigt das zuständige Institut für Medizinökonomie und Gesundheit der Rheinischen Fachhochschule Köln die Gestaltung der Präsentation. "Es wurden bewusst für die beiden alternativ genannten Aktivitäten zur digitalen Medien-Nutzung 'Bicken statt Liken' und 'Paddeln statt Datteln' falsche Schreibweisen gewählt, um bei der heutigen Informationsflut einen Eyecatcher für die Wahrnehmung unserer Empfehlungen zu generieren", sagte Vizepräsident Rainer Riedel auf Anfrage unserer Redaktion. 

Da diese Blickfänger jedoch offenbar von der Öffentlichkeit so nicht wahrgenommen wurden, habe man sich nun dazu entschlossen, die Begriffe zu korrigieren. 

Meine Zusammenfassung 
In der rp-online vom 30. Mai 2017 berichtet Marcel Romahn unter der Überschrift „Paddeln statt Datteln“ über Kritik an der Blikk-Studie über Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen.
Zunächst wird die Studie kurz vorgestellt: Die starke Benutzung von Smartphones führe zu Unruhe und Schlafstörungen der Kinder. Die Präsentation der Studie habe Spott und Hohn in den sozialen Netzwerken hervorgerufen, da sie oft unfreiwillig komisch wirke. An mehreren Beispielen erklärt Romahn, wieso das der Fall ist. Das zuständige Institut habe sich damit verteidigt, dass bewusst falsche Schreibweisen gewählt worden seien, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen; da dies misslungen sei, werde man die missverständlichenBegriffe korrigieren.
Marcel Romahn hat selber eine kurze Zusammenfassung seines Textes an den Anfang gestellt.

Diskussion

  • Diesmal habe ich mich entschlossen, Rohmans Zusammenfassung zu erwähnen, da es sich um eine sachliche Zusammenfassung handelt.
  • Ich habe diese Erwähnung an den Schluss gestellt, weil sie dort den Text gut abschließt; man könnte auch erwägen, sie an den Anfang zu stellen: „Am Anfang des Textes steht eine Zusammenfassung des Artikels.“ Dann kann man natürlich nicht mit „Zunächst...“ fortfahren.
  • Der Beginn der Zusammenfassung ist mit dem Adverb „Zunächst“ markiert.
  • Die Erläuterung der Kritik anhand der Beispiele wird unter dem Sammelbegriff „Beispiele“ zusammengefasst.
  • Name und Funktion des Vizepräsidenten treten hinter der Institution des Instituts zurück, werden also nicht erwähnt.
  • Ich wechsele zwischen Verben des Sagens plus Indikativ (vorstellen, erklären) und der Wiedergabe des Inhalts in der indirekten Rede (Konjunktiv I).


Mittwoch, 14. Juni 2017

Bildungspolitik im Fernsehen

Heute Abend (14. Juni 2017) gegen 23 Uhr im WDR eine Sendung über PISA und die Folgen:
Einerseits angeblich wahnsinniger Leistungsdruck, burn out von Schülern usw., es zähle nur die Statistik und nicht das Kind -
anderseits die Klage, die Leistungsansprüche seien gesunken (z.B. Grundwortschatz nach Klasse 4), die Schulleitungen (und Ministerien) übten Druck auf Lehrer aus, gute Noten zu geben (dabei sind die Eltern vergessen, die nach meiner Erfahrung den größten Druck ausüben) ...
diesen offenkundigen Widerspruch bemerken die Autoren der Sendung anscheinend nicht. Oder könnte es sein, dass zwar durchaus Druck (von Seiten der Eltern!) besteht, ihr Kind müsse unbedingt aufs Gymnasium, unbedingt die Eins oder Zwei bekommen (und Druck der Ministerien, bessere Noten im internationalen Vergleich zu erzielen), und dass gleichzeitig die Ansprüche an die Leistungen für Note 1 oder 2 sinken? Dass sich also die Wünsche der Politiker und der Eltern bei den guten Noten treffen, ohne dass für eine gute Schule mit guten Leistungen gesorgt würde? Oder ist das ganze Palaver bloß TV-Gerede, weil wieder schreckliche Probleme ans Licht gebracht werden müssen, indem Einzelbeobachtungen zu allgemeinen Wahrheiten hochstilisiert (ein klassischer Fußballer würde sagen: hochsterilisiert) werden?

Mittwoch, 7. Juni 2017

Sachtext zusammenfassen (Beispiel: Zeitungsbericht)

29. Mai 2017 | 13.42 Uhr (rp-online)

Studie zu Medienkonsum

Schon Kleinkinder hängen täglich am Smartphone


Berlin. 70 Prozent der Kinder im Kita-Alter nutzen das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde am Tag. Schon Säuglinge sind hyperaktiv, wenn Mama stets am Tablet hängt. Experten warnen vor den Gefahren - aber auch vor einer einseitigen Diskussion.
Konzentrationsprobleme, Hyperaktivität und Einschlafstörungen schon bei Säuglingen: Ein übermäßiger Medienkonsum gefährdet die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Das geht aus der Blikk-Studie hervor, die am Montag von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), vorgestellt wurde. Bereits Babys unter einem Jahr haben demnach Fütter- und Einschlafstörungen, wenn die Mutter parallel zur Betreuung ihres Kindes digitale Medien nutzt. Zudem benutzen schon 70 Prozent der Kinder im Kita-Alter das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde täglich.
Zwei- bis Fünfjährige sind der Studie zufolge bei regelmäßiger Nutzung von Bildschirmmedien nicht nur zappeliger und haben Konzentrationsstörungen. Bei täglicher Mediennutzung zeigen sich zudem Störungen bei der Sprachentwicklung. Die Kinder sind außerdem oft unruhig und schnell ablenkbar.

Hyperaktiv und unkonzentriert

Auch Kinder ab etwa sieben Jahren und Jugendliche, die mehr als eine Stunde pro Tag an ihrem Smartphone oder Tablet hängen, sind oft hyperaktiv oder unkonzentriert. Sie greifen auch mehr zu süßen Getränken und Süßigkeiten und sind häufiger dick.
In die Studie, aus der Medien schon in den vergangenen Tagen zitiert hatten, wurden zwischen Juni 2016 und Januar 2017 mehr als 5500 Kinder und Jugendliche einbezogen. Grundlage sind die Vorsorgeuntersuchungen, die sogenannten U-Untersuchungen, beim Kinderarzt sowie Elternbefragungen.
In Deutschland gelten mittlerweile rund 600.000 Jugendliche und junge Erwachsene als internetabhängig und zweieinhalb Millionen als problematische Internetnutzer. "Wir müssen die gesundheitlichen Risiken der Digitalisierung ernst nehmen", erklärte Mortler. "Kleinkinder brauchen kein Smartphone." Sie müssten erst einmal lernen, mit beiden Beinen sicher im realen Leben zu stehen. Es sei daher dringend notwendig, Eltern beim Thema Mediennutzung Orientierung zu geben, forderte die Drogenbeauftragte.

Experten warnen vor einseitiger Diskussion

Die Würzburger Medienpsychologin Astrid Carolus warnte indes vor einer einseitigen Diskussion über die Smartphonenutzung bei Kindern und Jugendlichen. Dass der Umgang mit Smartphones negative Folgen habe, gehe aus der Studie nicht eindeutig hervor, sagte Carolus im Deutschlandfunk. Nachgewiesen worden seien lediglich statistisch signifikante Zusammenhänge, aber keine klare Beziehung zwischen Ursache und Wirkung.
Die Wissenschaftlerin sprach sich gegen Smartphoneverbote für Kinder aus. Diese gingen an der Realität vorbei. Die jungen Menschen wüchsen heute in einer digitalisierten Welt auf und müssten den richtigen Umgang mit den Geräten lernen.
(oko/AFP)

Meine Zusammenfassung
In der rp-online vom 29. Mai 2017 wird unter der Überschrift „Studie zu Medienkonsum“ über eine am gleichen Tag veröffentlichte Studie zum Medienkonsum von Kindern berichtet.
Es werden zunächst die gemäß der Blikk-Studie negativen Folgen übermäßiger Mediennutzung für Kinder und Jugendliche referiert: Schlafstörungen, Unruhe, Konzentrationsprobleme, schlechte Essgewohnheiten. Grundlage der Studie seien Befragungen von mehr als 5.500 Kindern und Jugendlichen sowie Elternbefragungen seit Juni 2016. Frau Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, habe auf die Risiken der Digitalisierung hingewiesen. Die Medienpsychologin Carolus habe jedoch vor einer einseitigen Interpretation der Studie gewarnt; es komme darauf an, dass Kinder den richtigen Umgang mit den Medien lernten.

Diskussion:

  • Dass die Studie am gleichen Tag veröffentlicht wurde, ergibt sich aus dem Datum des Artikels und der Datierung „am Montag“, die auf den Bericht in der am folgenden Tag erscheinenden Zeitung zielt.
  • Frage: Sollte man in den Einleitungssatz die Quellenangabe (auf der Grundlage einer Agenturmeldung) aufnehmen? 
  • Ich habe die einleitenden Zeilen nicht berücksichtigt, weil sie [Ergebnis der voraufgehenden Analyse!] nur einige auffällige Einzelheiten herausheben, um den Leser für den ganzen Artikel zu interessieren. Genauso werden die Zwischenüberschriften und der Untertitel hier [anders als in einer Analyse!] nicht beachtet.
  • Die folgenden drei Absätze habe ich summarisch referiert, weil sie die negativen Auswirkungen (gleiches Thema) auf die verschiedenen Altersstufen darstellen.
  • Der Satz „In Deutschland gelten...“ ist ein Irrläufer, der nicht berücksichtigt wird.
  • Hier und auch im Folgenden zeigt sich, dass einer Zusammenfassung eine Analyse voraufgehen muss: Die letzten drei Absätze sind den unterschiedlichen Bewertungen von Frau Mortler und Frau Carolus gewidmet, man kann sie auf diesen Unterschied hin zusammenfassen.
  • Frau Mortler wird mit ihrer Funktion vorgestellt, weil sie die Studie veranlasst bzw. vorgestellt hat. Bei Frau Carolus sollte man den Beruf „Medienpsychologin“ nennen, weil sie damit als fachlich qualifiziert vorgestellt wird.
  • Fazit: Diese Art von Zeitungsberichten (Bericht über eine gerade veröffentlichte Studie) stellt eigentümliche Anforderungen an eine Zusammenfassung.