Donnerstag, 18. Oktober 2018

Bespitzelung von Lehrern


Eine der entscheidenden Grundlagen für einen guten, lebendigen Unterricht ist bekanntlich eine charismatisch auftretende Lehrerpersönlichkeit. Eine solche Persönlichkeit muss für die Schüler menschlich erfahrbar sein. Dazu gehört selbstverständlich, dass er seine eigenen Überzeugungen und Werte vertritt und mit den Schülern darüber in ein anregendes Gespräch kommt.
Ein verstockter Geschichts- oder Deutschlehrer, eine Person ohne Eigenschaften, die nur nichts falsch machen will, ist da wenig hilfreich. Ein guter Lehrer und eine gute Schule können in wichtigen Fragen nicht neutral sein – und schon gar nicht, wenn es darum geht, sich für Menschenrechte, Demokratie und Teilhabe einzusetzen. Genau diese selbstbewusste, bestenfalls vorbildliche Lehrerpersönlichkeit stellt das AfD-Portal unterschwellig in Frage.
(Martin Klesmann: Ein perfider Schrei nach Aufmerksamkeit. Kommentar zum AfD-Lehrer-Meldeportal. Berliner Zeitung 17. 10. 2018, online https://www.berliner-zeitung.de/politik/meinung/kommentar-zum-afd-lehrer-meldeportal-ein-perfider-schrei-nach-aufmerksamkeit-31450648)
Ein ausgezeichneter Kommentar von Martin Klesmann, der mich an die Zeit erinnert, als ich 1982 in Giesenkirchen am FMG anfing und einige Eltern einen direkten Draht zum Schulleiter hatten (Herr F., Herr M., Frau Sch.) – einzig zum Zweck, ihr verkorkstes Weltbild zu retten (die Herren) und sich selbst in Szene zu setzen (Frau Sch. - Frau K. nicht zu vergessen, die Probleme mit dem Thema "Liebe" hatte und später mit einem jungen Kerl durchbrannte), und die dabei auf sehr offene Ohren trafen. Es war für mich in dieser Hinsicht eine schreckliche Zeit.

Montag, 17. September 2018

Wie am besten schreiben lernen?


Wie lernt man am besten schreiben?
Es gibt eine neue Untersuchung, wonach die alte „Fibelmethode“ die beste ist und die Kinder zu einer recht sicheren Rechtschreibung anleitet. Darüber berichten
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/schreiben-nach-gehoer-immer-mehr-bundeslaender-kehren-ab-15138342.html
und so ähnlich:

Gedichte zu bestimmten Themen finden


Die Deutsche Gedichtebibliothek“ (https://gedichte.xbib.de/) will ein Gesamtverzeichnis deutschsprachiger Gedichte sein; die Sammlung ist insofern interessant, als sie verschiedene Suchfunktionen anbietet, u.a. nach bestimmten Stichworten im Titel der Gedichte.
Außerdem gibt es eine Fortsetzungsseite: „Kürzlich hinzugefügte Gedichte“: https://gedichte.xbib.de/liste_neue_gedichte_1.html

Montag, 2. Juli 2018

Zentralabitur und Kompetenzorientierung

Hans Peter Klein ("Auf den Spuren des Streifenhörnchens", SZ 2. 7. 2018) hat die Abituraufgaben in Biologie aus fünf Bundesländern seit 2005 untersucht und dabei herausgefunden, wie unterschiedlich die Anforderungen sind: In Schleswig-Holstein und NRW bekommt man das Abitur beinahe nachgeschmissen, in Meck-Pomm sind die Anforderungen wesentlich höher. Die Abiturientenquote betrug dementsprechend in SH im Jahr 2016 62,7% des Jahrgangs, in Bayern 31,1%.
Es dürfte einleuchten, dass bei einer Quote von 62,7% viele nicht einmal einen IQ von 100 haben und damit dümmer als der Durchschnitt sind, dass also das SH-Abitur so etwas wie ein Hauptschulabschluss ist. Das ist das Ergebnis einmal des politischen Willens von SPD und Bertelsmann-Stiftung, die dauernd vorgurren, wie benachteiligt die Arbeiterkinder sind, und die dementsprechend die Anforderungen ans Abi senken; und zum zweiten die dem korrespondierende didaktische Mode der Kompetenzorientierung: Man muss nicht mehr viel wissen, man nur etwas "können" (= Kompetenzen haben); was man nicht weiß, kriegt man dann im Begleitmaterial zur Aufgabe mitgeliefert, daraus muss man es dann abschreiben (es natürlich vorher finden - eine große Leistung).
Ich erinnere mich an einen Schüler, dem ich vor ein paar Jahren vor seinem Abitur Nachhilfe in Deutsch gegeben habe. Den Artikel "Neue Sachlichkeit" in einem Lexikon nachzulesen war ihm zu viel Arbeit. Wörtlich sagte er: "Ich brauche fünf Schlagwörter, die ich immer reinhauen kann." Wir haben dann fünf Schlagwörter notiert, und auf dieser Wissensbasis hat er seine Arbeit im Grundkurs Deutsch (NRW) 3- geschrieben; von der Neuen Sachlichkeit verstand er natürlich nichts.
Mit einer solchen Senkung des Niveaus tut man jedoch weder den Jugendlichen noch unserem Land einen Gefallen.

Montag, 25. Juni 2018

Chancen des Lehrer-Berufs



Ich möchte nicht zu den Chancen der Verbeamtung oder Anstellung in einem Bundesland etwas sagen, sondern zur Chance, im Lehrerberuf menschlich zu reifen.
Von den vielen Aspekten, wie man als Lehrer menschlich reifen kann, möchte ich nur hier eine betrachten. Sie hängt mit der spezifischen Sichtweise des guten Lehrers zusammen, die nicht erst seit Klafkis didaktischer Analyse des Unterrichtsstoffs bekannt ist. Ein Lehrer muss nämlich nach der Sachanalyse fragen, wie der Unterrichtsstoff in der Sicht „des Kindes“ (ganz allgemein, also auch der Jugendlichen usw.) aussieht: was er dem Kind bedeutet, welchen Zugang das Kind dazu hat (und welchen nicht), wie es ihn sich aneignen kann. Das gilt bis hin zu den „Fehlern“, die das Kind macht; auch diese muss man nicht primär vom Stoff her denken, sondern vom Kind: Wie kommt es gerade zu diesem Fehler, zu diesem Un- oder Missverständnis?
Am Beispiel des schönen Fehlers kann man meine Idee noch einmal verdeutlichen: Ich habe Schüler für schöne Fehler gelobt (was diese normalerweise für Ironie hielten, weil ihnen meine Sicht offensichtlich fremd war) und dafür sogar eine 2 angeschrieben: Schöne Fehler sind Fehler, an denen man zeigen kann, wo und warum der Denkweg des Schülers in die Irre führt – das ist lehrreich für die ganze Klasse und verdient deshalb eine 2.
Vom Kind her denken, das ist nur ein Sonderfall der menschlichen Praxis, alle Dinge nicht nur egozentrisch, also vom eigenen Standpunkt aus zu denken, sondern auch vom Standpunkt des anderen: des Gesprächspartners, des Lebenspartners, der Geschäftspartner, der Gegner im politischen Konflikt oder Zusammenspiel. Erst wenn man die Sicht, die Anliegen oder die Interessen beider Seiten kennt und versteht, kann man zu sachlicher Diskussion und zu vernünftigen Lösungen „im Gespräch“ (im weitesten Sinn) kommen.
Insofern ist der Lehrerberuf eine große Chance, den Perspektivenwechsel einzuüben und täglich zu praktizieren, auf dass er sich zu einem Habitus verfestige, und so menschlich zu reifen.

Mittwoch, 14. Februar 2018

Denkerziehung am Gymnasium?


Durch Denken lernt man reden, wissenschaftlich reden. Dies ist ein Vermögen, welches jede Wissenschaft braucht, und hieraus begreift sich der allgemeine und praktische Nutzen der Logik. Und auf der anderen Seite lernt man denken am besten durch das Studium vortrefflicher Schriftsteller. Man lese in logischer Absicht z.B. platonische Gespräche, lessingsche Schriften wie den Laokoon, zergliedere die Rede, mache sich den Gedankenbau bis ins einzelne klar, merke auf jede logische Verknüpfung: das ist die fruchtbarste Art der logischen Erziehung. Nicht anders sollte die Logik auf den höheren Schulen gelehrt werden.“
(Kuno Fischer: System der Logik und Metaphysik oder Wissenschaftslehre. Dritte Auflage Heidelberg 1909, S. 14 =

Donnerstag, 18. Januar 2018

Zeugnis gegen den Genderwahn

Gerade lese ich den Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und Karl Jaspers (hrsg. von Lotte Köhler und Hans Saner, Piper 1985). Dabei fiel mir auf, dass Hannah Arendt ganz selbstverständlich von sich in der Form „ich als Jude“ spricht (Brief vom 29. Januar 1946) und dass Karl Jaspers genauso selbstverständlich sagt, „daß Sie von vornherein als Jude sprechen“ (Brief vom 12. 3. 1946, Teil vom 17/3 46).
Was lernen wir daraus? Hannah Arendt war doch sicher eine selbstbewusste Frau und Jaspers ein ihr geneigter Gesprächspartner. Wenn beide ganz unbefangen die unmarkierte Form „Jude“ statt der markierten Form „Jüdin“ zur Bezeichnung der Frau Arendt wählen, heißt das doch, dass in der unmarkierten Form eindeutig jüdische Männer und Frauen gemeint sind, dass also die Frauen dadurch nicht ausgeschlossen werden.
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Das wiederum heißt, dass der Genderwahn mit der These vom vermeintlichen Ausschluss der Frauen durch unmarkierte Sprachformen eine sachlich unbegründete Erfindung verrückter Feministen ist. Seitdem die sprachwissenschaftlich unhaltbare These jedoch in der Welt ist, finden sich viele Frauen tatsächlich durch die unmarkierte Form „ausgeschlossen“. Das ist ein Wahnsinn, den man nicht auch noch durch Verordnungen, Leipziger „Professorin“-Anrede etc. befeuern muss.

Mittwoch, 17. Januar 2018

Über das Korrigieren

Im Schuljahr 2016/17 konnte ich bei einem Nachhilfeschüler erleben, wie eine Korrektur ausfällt, welche eine Kollegin anhand vorgegebener Lösungserwartung (Schönigh) bei einmaliger Lektüre der Schülerarbeit vornahm: gruselig.
In einem Brief Karl Jaspers' an Hannah Arendt (4. Aug. 1929) steht Folgendes: „Die Korrekturen [beim Druck ihrer Dissertation, N.T.] müssen Sie langsam und immer zwei Mal lesen: einmal auf den Sinn und einmal optisch auf Fehler im Druck von Buchstaben und Silben. Das Korrekturlesen ist sehr anstrengend und muß gründlich geschehen.“
Das Bewerten der Leistung ist noch einmal ein gesonderter Arbeitsgang und kann erst in Teilschritten erfolgen, wenn man die ganze Schülerarbeit vor Augen hat – ganz sicher aber nicht bei der ersten Lektüre.
Wenn man alle Schülerarbeiten eines Kurses gelesen und verstanden hat, kann man eventuell sogar genötigt sein, die Lösungserwartung (sowohl eigene wie fremde) zu korrigieren und alle Schülerarbeiten (neu) zu bewerten. Ich habe einmal meine eigene Lösungserwartung zur Analyse einer politischen Rede Brandts derart umgestoßen.
Fazit: Misstrauen Sie allen, die Ihnen weismachen wollen, sie hätten ein Patentverfahren entdeckt, bei dem man mit einmaliger Lektüre bei der Korrektur auskommt!

Dienstag, 16. Januar 2018

"Alternative Fakten": Unwort des Jahres 2017

Unwort des Jahres 2017 ist „alternative Fakten“ (zu Recht!); kritisiert werden ebenfalls „Shuttleservice“ für die Seenotrettung der Flüchtlinge im Mittelmeer und „Genderwahn“ für den real grassierenden Genderwahn.
Das Unwort des Jahres ist eine sprachkritische Aktion, die in Deutschland 1991 von dem Frankfurter Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser ins Leben gerufen wurde. Bis 1994 wurde das „Unwort des Jahres“ im Rahmen der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) gewählt. Nach einem Konflikt mit dem Vorstand der GfdS machte sich die Jury als „Sprachkritische Aktion Unwort des Jahres“ selbstständig.“ (Wikipedia)
Die Jury hat 2015 „Gutmensch“ als Unwort bestimmt, als Bezeichnung für die real existierenden Gutmenschen. Diese Tatsache wie auch die Platzierung von „Genderwahn“ zeigt, dass die Jury selber aus Gutmenschen besteht, die dem Genderwahn verfallen sind. Zu Recht hat sich die Gesellschaft für deutsche Sprache von der Jury getrennt; denn diese betreibt Politik, nicht Wissenschaft. „Alternative Fakten“ ist aber eine gute Wahl, das ist wirklich ein Unwort.
Die Gesellschaft für deutsche Sprache ermittelt nun wissenschaftlich das „Wort des Jahres“. Es gibt auch eine österreichische Variante dazu (s. letzter Link).



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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Niklas Luhmann: Das Deutsch der Geschlechter

Das Problem hat schon manche Glosse auf sich gezogen, aber es ist zu ernst, als dass man es den Linguisten überlassen könnte. Die Sprache bevorzugt, haben Frauen entdeckt, auf hintergründige Weise den Mann. Das sollte, wird dann gefordert, sprachpolitisch korrigiert werden. Und wie immer bei Politik ist die Bürokratie das Instrument, mit dem das Desiderat zur Ausführung – und zum Entgleisen gebracht werden kann.
Auf rein sprachlicher Ebene sieht die Sache zunächst recht einfach aus. Das Deutsch gehört mit einigen anderen, aber keineswegs allen Sprachen zu denjenigen, die eine Geschlechtszuweisung an Hauptwörter erzwingen. Sie erfolgt automatisch und bedarf keiner Spezifikation. Diese Automatik führt jedoch zu Ungerechtigkeiten, gerade in der Behandlung der Geschlechter. Bedürfte es der Spezifikation, könnte man sie vollziehen – oder auch weglassen. Man könnte nicht nur geschlechtsneutral (sächlich), man könnte ohne jeden Bezug auf das Geschlecht formulieren. Wenn das nicht möglich ist, muss man sich mit Korrekturen der Automatik, mit Gegenspezifikationen behelfen, wenn man besondere Aufmerksamkeit erzeugen will, und damit sind wir beim Problem.
Ein Sonderfall ist besonders illustrativ: der Mensch (homme, hombre, uomo usw., alles männlich). Das lässt unklar, ob, wenn vom Menschen die Rede ist, Frauen mit gemeint oder, meinen die Frauen, heimlich ausgeschlossen sind. Und noch schlimmer: wenn Worte wie homme zugleich Mann bedeuten. Im lateinischen Mittelalter konnte man Frauen noch als mas (oder masculus) occasionatus (oder imperfectus) bezeichnen – ein unvollständiger Mann, nun ja! Im Französischen wurde dann homme manqué daraus.
Wer beschreibt wen?
Wie immer im Sprachlichen kann man sich mit anderen Formulierungen aushelfen. Die Auffassung, dass die Sprache Weltsichten determiniere (die sogenannte Whorf-Sapir-Hypothese), wird heute kaum noch ernst genommen. Warum dann die Aufregung?
Zum Thema
Verständlich wird dies, wenn man die Angelegenheit in der Sichtweise der Kybernetik zweiter Ordnung betrachtet, also als Problem des Beobachtens von Beobachtungen und des Beschreibens von Beschreibungen. Die Frauen haben, das ist der Punkt, herausgefunden, dass sie in der bisherigen Geschichte von Männern beschrieben worden sind. Durch umfangreiche historische und vor allem literaturgeschichtliche Untersuchungen ist das inzwischen hinreichend dokumentiert. Aber erst wenn man überhaupt fragt „Wer beschreibt wen?“ und erst wenn man diese Frage mit Hilfe der Unterscheidung von Mann und Frau konkretisiert, ergibt sich unser Problem, ergibt sich die neue Empfindlichkeit in Bezug auf Sprachpolitik.
Die Bedeutungsebene
Im Anschluss an Linguistik und Kybernetik kann schließlich auch die Soziologie etwas dazu sagen. Ihre Analysen können zeigen, dass es kein Zufall ist, wenn sich in der modernen Gesellschaft Bedeutungen nur noch auf der Ebene des Beobachtens von Beobachtungen und des Beschreibens von Beschreibungen festsetzen können. Die moderne Gesellschaft hat alle natürlichen Vorrechte, alle privilegierten Positionen für richtige Beschreibungen der Welt aufgelöst. Entsprechend florieren Ideologien und Ideologiekritik, konstruktivistische Erkenntnistheorien, historischer und kultureller Relativismus; und die zusammenfassende Formel dafür ist eben, dass Stabilität nur gewonnen werden kann, wenn und soweit sie sich auf dieser Ebene des durchschauenden Beschreibens von Beschreibungen halten lässt.
Kein Wunder also, dass schließlich auch die Frauen (sei es von Männern, sei es von Frauen) beschrieben werden müssen als Wesen, die beobachten, wie sie beobachtet, und dann beschreiben, wie sie beschrieben werden. Und wenn es zutrifft, dass die Frauenbeschreibungen historisch vorwiegend von Männern angefertigt worden sind, lässt sich geradezu erwarten, dass diese Affektion mit Kybernetik zweiter Ordnung zuerst bei Frauen – beobachtet werden kann.
Die Frauen können nichts dafür
Geradezu zwanghaft erscheint dann auch die Epidemie sprachpolitischer Empfindlichkeiten. Sie ist, wie die neue, sozusagen postgrammatikalische Aufmerksamkeit für Sprache überhaupt, eine Konsequenz der Strukturen moderner Gesellschaft. Die Frauen können nichts dafür. Sie selbst sind das Opfer. Man muss ihnen helfen.
Frauen neigen nämlich zur Übertreibung, wie man in einer alten Tradition männlicher Beschreibungen sagen könnte. Wenn sie fromm sind, sind sie zu fromm. Wenn sie grausam sind, sind sie zu grausam. Wenn sie in Geschäften hart und rigide führen, gehen sie auch darin zu weit. Und wenn sie Sprachpolitik treiben, dann ohne hinreichende Rücksicht auf Sprache.
Fast muss man befürchten, dass sie demnächst die Unsinnin auf die Gipfelin treiben. Aber auch, wenn man derartige Vorahnungen beiseitelässt, gibt es genügend Missgriffe zu kritisieren. Am deutlichsten erscheint das Problem aus Gründen, die nur eine statistische Analyse klären könnte, an Worten, die mit Mi anfangen. „Ministerin“ ist zum Beispiel ein solcher Fehlgriff. Es handelt sich um ein lateinisches Wort, und Ministra steht als gut etablierte Fassung zur Verfügung. Aber auch „Mitgliederinnen“ (was man es zuweilen in Anreden wie „liebe Mitglieder und Mitgliederinnen“ schon hören kann) ist unerträglich. Was wäre der Singular? Und überhaupt: Mitglied ist, wie übrigens das Glied auch, sächlich. Es besteht also gar kein Anlass, eine Überschätzung des Männlichen abzuwehren. Wenn es dann doch geschieht, müssten die Männer schließlich verlangen, als Mitgliederer angesprochen zu werden.
[„Postgrammatikalische Aufmerksamkeit“: Ein bislang unveröffentlichter Text aus dem Nachlass des 1998 verstorbenen Bielefelder Soziologen Niklas Luhmann zur Logik politischer Korrektheit und ihrer sprachlichen Gleichstellungsversuche.]
FAZ 30.09.09

Hier sieht man einmal mehr, zu welchem Unsinn sich die feministische Gesinnung verführen lässt bzw. welchen sie produziert.