Freitag, 20. November 2009

Bildung und Elite

Bedeutsames Interview mit Boris Groys über Berlin und die Thesen Sarrazins und Sloterdijks: „Wie definiert sich Elite?“ (SZ 10. November 09, S. 12)
Groys sagte zu Tobias Haberkorn unter anderem, bei Sarrazin sei falsch, „dass er die Zugehörigkeit zu einer Elite mit dem Bildungsstand identifiziert. Das finde ich mehr als problematisch. Schauen Sie, Fußballer, Rapper und Models gehören zum Beispiel auch zur Elite. Sie verdienen viel Geld und haben ein Elitebewusstsein. [...] Die Entstehung von Eliten ist ein gesellschaftlicher Prozess, der mal eine Gruppe von Menschen, mal eine andere Gruppe von Menschen nach oben treibt. Diese Prozesse kann man nicht vorhersehen und nicht steuern – auch nicht mittels Bildung.“
Groys sagte, man könne sich leicht eine Gesellschaft vorstellen, in der die Elite ausschließlich aus Ungebildeten bestehe. „Bildung kostet sehr viel Zeit und Kraft. Sie lenkt eigentlich vom Erfolg ab.“ Diesen Zusammenhang führte er dann aus: „Wer Geld hat, hat auch soziale Möglichkeiten, sein eigenes und das gesellschaftliche Leben zu gestalten. Und Bildung ist nur ein Weg zum Geld, wahrscheinlich nicht der beste und sicher nicht der effizienteste. Die Elitendiskussion in Deutschland krankt daran, dass man Bildung mit Elite identifiziert. Das ist völlig antiquiert und entspricht keineswegs der gesellschaftlichen Realität.“
** Über Boris Groys gibt es nicht nur einen kurzen Artikel in der wikipedia, sondern auch eine Vita bei der Uni Karlsruhe: http://www.hfg-karlsruhe.de/lehrende/assoziierte-professoren/boris-groys.html

1 Kommentar:

  1. Das ist nicht die Uni Karlsruhe sondern die Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. SO viele Genauigkeit muss sein. ;) Danke für den Hinweis auf das Interview.

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