Samstag, 5. Dezember 2009

Bernhardt: Epochenumbruch 18./19. Jahrhundert

Gutachten zu
R. Bernhardt:  Epochenumbruch 18./19. Jahrhundert (Bange Verlag 2009)

Das Buch ist auch mehreren Gründen nicht geeignet, Schülern bei der Vorbereitung aufs Abitur 2011 zu helfen:
1.       Es ist kein „Trainer“, sondern ein einziger endloser Lehrervortrag; Schüler werden also nicht aktiviert, sondern sind zum bloßen Lesen verdammt (ähnlich wie im schlechten Unterricht).
2.       Die in den Klausuren geprüften Fähigkeiten werden nicht nur nicht eingeübt, sondern es wird dazu nicht einmal angeleitet (Anleitung zu Textanalyse, Analyse einer Szene usw. fehlt).
3.       In den Klausuren wird teilweise sogar ein „Wissen“ vorausgesetzt, das nicht vermittelt wird (z.B. Briefe Schillers über Don Carlos, Kenntnis anderer Werke Schillers): Wer das alles aber weiß, braucht das Buch nicht!

4.       Die Klausuren zeigen, dass der Verfasser von der Schule wenig Ahnung hat:
-          Es fehlt immer die Angabe des Gewichtes der einzelnen Aufgabe und der Hilfsmittel.
-          Die Aufgabenstellungen sind teilweise unverständlich (Entwerfen Sie ein Feuilleton, S. 77), methodisch verfehlt (Analysieren Sie … unter Berücksichtung … - das gehört nicht in eine Textanalyse!), teilweise textlich überfrachtet (S.88-91; S.127 ff. – wann soll ein Schüler das lesen, verstehen und auch noch verarbeiten?).

Darüber hinaus meine ich, dass sowohl das Verständnis des Dramas „Don Carlos“ (vgl. meine Analyse im Lehrerheft bei Krapp & Gutknecht: Welche Bedeutung hat der Freundschaftsbund mit Posa? Der Rahmen sind die Begegnungen mit Elisabeth, I 5 und V 11, nicht die Inquisitionsepisoden; das ist z.T. auch in meinem Beitrag auf lehrer-online zu lesen) zu wünschen übrig lässt – den Humboldt-Text S. 88 f. schenke ich mir hier nach Verständnis und Abgrenzung – wie auch das Verständnis von Textanalyse methodisch unzureichend ist (Begriff des sprachlichen Handelns fehlt; Prinzip Frage-Antwort ist nicht erfasst): Der Autor denkt in Wörtern und Begriffspaaren, damit kann man keinen Text erfassen – ich empfehle die Lektüre des Grammatik-Dudens oder des Studienbuchs Linguistik.

Man kann noch viele Fragen an das Buch stellen:
1.       Was leistet die Mini-Übersicht S. 6-9? Haben die Schüler kein Lehrbuch, wo das mindestens genauso ausführlich steht? (Bestimmung der Zielgruppe: unklar)
2.       Warum werden die drei Freiheitsbegriffe in die historische Entwicklung hineingepackt?
3.       Wo ist die Grundstruktur des Dramas Kleists? (in 3.)
4.       Warum werden aristotelisches und Stationendrama als Grundformen genannt (danach viel allgemeiner geschlossene – offene Form, episches Drama wird nicht erwähnt)?

Zu Details ließe sich noch vieles sagen – hier geht es um die Grundlinien der Kritik: Das Buch ist Schülern nicht zum Kauf zu empfehlen, weil es sie nicht sinnvoll auf die Anforderungen des Abiturs vorbereitet.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen