Freitag, 5. Februar 2010

Intonation, Prosodie, Satzmelodie

Intonation und Prosodie werden im Wesentlichen bedeutungsgleich gebraucht; sie bezeichnen die lautlichen Qualitäten einer Äußerung (eines Satzes). Früher sprach man metaphorisch von Satzmelodie und Klanggestalt des Satzes, meinte aber das Gleiche: Veränderungen der Lautstärke und der Stimmhöhe (also: der Betonung), sowie des Tempos beim Sprechen, die Pausen. Mit diesen Mitteln wird auch der „Sinn“ des Satzes realisiert – abgesehen von den Möglichkeiten des emotionalen Ausdrucks in der Stimmführung (neben Mimik und Gestik als paralinguistischen Größen, vgl. auch „nonverbale Kommunikation“).
     Früher war die Kenntnis dieser Faktoren eine Frage persönlicher Kompetenz, heute sind sie Gegenstand der Forschung. So hatte der Duden „Grammatik“ in der 4. Auflage das Kapitel „Die Klanggestalt des Satzes“; es fehlte in der 6. Auflage (zugunsten eines Kapitels über den Text); in der 7. Auflage steht wieder ein Kapitel über Intonation. In der Schule bzw. den Schulgrammatiken fehlt das Thema beinahe ganz; der Schülerduden Grammatik widmet ihm in der 4. Auflage einen Abschnitt, nämlich [13]. Walter Jung: Grammatik der deutschen Sprache, 10. Auflage 1990, hat das Kapitel „Satzakzentuierung und Intonation“ (S. 150-164); die „Grundzüge einer deutschen Grammatik“ (Berlin 1980) haben als Kap. 6: „Phonologie: Intonation“ (S. 839 ff.), mit den Phänomenen: Hebung/Senkung der Stimme, Gliederung (Pausen), Rhythmus, Betonung.
     Für das Verständnis sprachlicher Äußerungen in der Schule scheint es mit auf der Hand zu liegen, dass die sprachliche „Realisierung“, also das Erproben der Möglichkeit, Äußerungen zu sprechen, den Vorzug vor jeder Art von nichtsprachlicher Darstellung in Standbildern und ähnlichen Versuchen verdient. In der Realisierung probiert man, was sich sprachlich vertreten lässt: was sich wie anhört; erst wenn man das verstanden hat, kann man zusätzlich ein Standbild bauen. Die Hilflosigkeit von Schülern, mit ihrer Stimme Äußerungen zu realisieren, ist im Allgemeinen so groß [vgl. http://www.stauff.de/grundkursdeutsch/dateien/kaskaden/kaskaden.htm], dass die netten Standbilder zu bauen mir wie eine Flucht vor der Aufarbeitung sprachlicher Inkompetenz erscheint. – Zumindest bei der Analyse von Gedichten habe ich gefordert, dass man das Gedicht als sinnvolles Klanggebilde verstehen muss, und habe dem „Rhythmus des Gedichtes“ analytische Aufmerksamkeit geschenkt.
      Unter den Stichworten Intonation, Satzmelodie, Prosodie habe ich am 15. April 08 bei google  folgende Links gefunden:
http://www.logox.de/support/manual/logox4speechtagsintonation.htm (Sprechmelodie, mit Zeichen)
http://semanticsarchive.net/Archive/jI0OTk3O/buring.ids2005.pdf (Daniel Büring: Intonation und Informationsstruktur)
http://cornelia.siteware.ch/phonetik/ (Links phonet. Themen, 2005)
http://books.google.de/books? (Intonation plus Syntax ergeben Satz: Redeeinheit)
http://www.eleasoftware.com/voltrova/mv_Phonetik.htm (Phonetik und Phonologie in der dt. Sprache)
http://www.zas.gwz-berlin.de/pr/lndw2003/ZASTonMusik.pdf (Satzmelodie: Beispiele))
http://norberto42.kulando.de/post/2006/01/03/betonung
http://www.spz.tu-darmstadt.de/projekt_ejournal/jg-12-2/docs/Graffmann.pdf (Informationsstrukturen aus prosodischer Sicht)
www.mpg.de/pdf/jahrbuch_2002/jahrbuch2002_043_054.pdf (wie wir Sprache verstehen: Hirnforschung)


Diese Links sind am 5. Februar 2010 geprüft und um folgende erweitert worden:
http://www.uni-erfurt.de/sprachwissenschaft/personal/lehmann/ling/lg_system/phon/Index.html
Beate Redeker: PERSUASION UND PROSODIE (pdf-Datei)


An der Uni Kiel gibt es ein eigenes Institut für dieser Fragen.

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