Mittwoch, 24. März 2010

Loben, aber richtig

Dass „gut gemeint“ oft das Gegenteil von „gut gemacht“ ist, zeigt sich auch beim Loben von Kindern, wobei ich vor allem am Umgang mit Schülern interessiert bin. Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen, referiere ich wichtige Thesen aus dem Aufsatz von Nicola Schmidt: „Loben, aber richtig.“ (SZ 23. März 2010, S. 16), mit dem Untertitel: „Psychologen warnen: Übermäßiger Zuspruch kann Kindern sogar schaden; sie empfehlen mehr Aufrichtigkeit im Kinderzimmer“:
1. Wichtiger als ein Lob ist es, dass Kinder selber ihre Erfahrungen für gut befinden.
2. Positives Verhalten soll man nicht noch einmal mit Lob verstärken wollen, weil dieses Lob dann von der Sache selbst ablenkt (-> Aufmerksamkeit gewinnen). Das Gleiche gilt für das, was Kinder aus eigenem Antrieb tun.
3. Auch Tadel ist wenig effektiv – besser ist es, mit Kindern über die Bedürfnisse anderer zu sprechen.
4. Übermäßig gelobte Kinder werden unsicher (-> fragen mit zunehmendem Alter, ob sie wirklich so getröstet werden müssen).
5. Man sollte eher die Art, an Probleme heranzugehen, als ein bestimmtes „Können“ loben; Jungen vertragen ein Lob des Könnens aber anscheinend besser als Mädchen.
6. Übertriebenes Lob konfrontiert Kinder mit unrealistischen Erwartungen der Erwachsenen.
7. Sparsames Loben ist effektiver als häufiges Loben.
8. Sparsames Loben macht die Kinder nicht von der Droge Lob abhängig.
9. Vergleichendes Loben ist problematisch; es macht Kinder zu schlechten Verlierern und stellt den Sieg im Wettkampf vor das Bemühen um die Sache.
10. Kinder sollten wissen, dass ein Lob nichts über ihren Wert als Mensch aussagt.
Zitierte oder genannte Autoren:
Herbert Renz-Polster (Heidelberg)
Joan Grusec (Toronto)
Carol Dweck (Uni Standord)
Jennifer Henderlong (Reed College, Oregon)
Mark Lepper (dito)
Emrah Düzel (Magdeburg)
Leann Birch (Uni Pensylvania)
Herbert Scheithauer (Berlin)

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