Freitag, 26. Februar 2010

Probleme der Kinder = Probleme der Eltern

Rund die Hälfte der Schulkinder hat schon zumindest einmal therapeutische Unterstützung bekommen. Zu diesem Schluss kommt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). Mehr als jedes vierte Kind zwischen sechs und 18 Jahren erhielt Sprachtherapie (Logopädie), fast jedes fünfte Ergotherapie und ebenso viele Kinder waren bei der Krankengymnastik. Mindestens eins von zehn Kindern wurde psychotherapeutisch betreut. Zudem ergab die Umfrage, dass Mädchen deutlich häufiger betroffen sind, nur knapp 40 Prozent der therapierten Kinder waren Jungen.

Die Umfrage ergab, dass der Anteil der Kinder, die täglich mehr als zwei Stunden fernsehen, unter Kindern mit Therapieerfahrung größer ist als unter Schülern, die ohne professionelle Hilfestellung groß werden. „Sprechen lernt man nicht vor dem Fernseher. Für die sprachliche - und natürlich auch motorische Entwicklung - ist es wichtig, dass die Kinder sich und ihre Umwelt im richtigen Leben wahrnehmen. Dafür ist der Austausch mit anderen, die soziale Interaktion ganz wesentlich“, betont York Scheller, Psychologe bei der TK. „Unsere Umfrage zeigt jedoch, dass gerade die Kinder, die heiltherapeutische Hilfe benötigen, seltener mit Freunden spielen als andere.“

Über zehn Prozent der Eltern gab an, dass ihr Sohn bzw. ihre Tochter sich überhaupt nicht mit Freunden trifft.  Weitere 37 Prozent spielen maximal eine Stunde täglich mit anderen Kindern.

„Was für unsere Generation noch selbstverständlich war, sich nach Schule und Hausaufgaben mit Gleichaltrigen zu treffen, gilt heute offensichtlich für immer weniger Kinder. Dabei ist genau dies für sie so wichtig. Das Spielen mit anderen fördert Neugier und Selbstständigkeit. Die Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang und nur wenn sie die Chance haben, sich auszutoben, können sie auch am Vormittag die nötige Konzentration für die Schule aufbringen und haben nachts einen gesunden Schlaf.“
 (...)
Der Psychologe empfiehlt, für einen geregelten Tagesablauf zu sorgen, den Kindern ausreichend Gelegenheit zum Spielen und Toben zu geben und gemeinsame Rituale wie eine Gute-Nacht-Geschichte oder einen Spielenachmittag einzuplanen. Damit ist eine gute Basis gegeben, um Sprache, Koordination und Phantasie zu entwickeln.
(Quelle: Techniker-Krankenkasse)
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Über solche Dinge muss man sprechen, wenn man schulische Leistungen der Kinder verbessern will: Es genügt nicht, die Grundschulzeit von 4 auf 6 Jahre zu erhöhen oder didaktische Spiele und Scherze einzuführen. Die schöne linke Idee von der gemeinsamen Schulzeit nützt nur etwas, wenn das Elternhaus "funktioniert" bzw. die Erziehung "richtig" gelaufen ist - ist sie aber oft genug nicht: Die Probleme der Kinder sind meistens die Probleme der Eltern!
Bitte kurz über einen Aphorismus Goethes nachdenken:
"Sieht man ein Übel, so wirkt man unmittelbar darauf,
das heißt, man kuriert unmittelbar aufs Symptom los."

Mittwoch, 24. Februar 2010

Was denkt das Tier?

Unter dieser Überschrift berichtet Christian Weber über Forschungen der Professorin Julia Fischer (SZ 24. Februar 2010). Bemerkenswert ist ihre Beobachtung, dass Paviane sich schwer tun, unterschiedlich große Mengen von Nüssen zu unterscheiden, aber mit Leichtigkeit unterschiedlich große Kieselsteinhaufen unterscheiden (mit anschließender Belohnung). Frau Fischer vermutet, „dass die Tiere vor lauter Fressgier beim Rosinenzählen durcheinander kommen und einfach zugreifen“ (C. Weber).
Hypothese der Frau Weber:
„Impulsunterdrückung könnte eine Voraussetzung für abstraktes Denken sein.“
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Dies ist als Kommentar zum Bestreben vieler Kollegen gedacht, Schülern möglichst oft direkte „Bedürfnisbefriedigung“ (trinken, pippen usw.) zu gewähren.

Montag, 22. Februar 2010

Facharbeit Deutsch - Problem und Lösungsvorschlag

Eine Schülerin schrieb mir, weil sie das Thema "Die Figuren und ihre Sprache in Schlinks 'Vorleser'" in der Facharbeit Deutsch bearbeiten musste. Sie wusste nicht weiter und bat mich um Hilfe. Ich habe versucht, ihr methodische Ratschläge an die Hand zu geben: wie sie vorgehen soll, um zu einem Ergebnis zu kommen. Da solche Themen-Aufgabenstellungen oft vorkommen, veröffentliche ich hier meinen Brief:


Hallo, NN,
1. du kannst "die Sprache" von Figuren nur untersuchen, wo und wenn diese sprechen - d.h. es kommen nur die Passagen in Betracht, wo wörtliche Rede vom Erzähler berichtet wird - andernfalls würdest du untersuchen, wie der Erzähler Michael über die Figuren spricht.
2. Man kann kein "Thema" untersuchen, sondern eine Frage beantworten. In dem Sinn musst du das Thema dahin biegen (mit Segen des Lehrers?), dass dir eine Frage vorgegeben ist, etwa:
Wie spricht die erwachsene Hanna mit dem Jungen Michael?
Wie spricht der Vater mit dem Studenten Michael?
Wie spricht der Autofahrer ... usw
Du kannst dich "exemplarisch" auf einige zentrale Figuren und Passagen beschränken - wie gesagt, das nur in indirekter Rede Berichtete entfällt.
3. Worauf sollst du achten, wenn du ein Gespräch oder Gespräche im Roman untersuchst?
Schau nach, worauf andere achten, etwa unter den Suchworten "Gesprächsanalyse" oder "Dialog im Roman" bei google.
Wenn du jeweils die ersten zehn Angaben prüfst, wirst du sicher etwas Brauchbares finden - brauchbar heißt:
wo du Begriffe (Kategorien) findest, Aspekte, unter denen du die Gespräche filterst bzw. untersucht.
4. Dann legst du dir eine Liste von Kategorien an (denke bitte auch an das, was du unter "Kommunikation" und "Kommunikationsmodell gelernt hast bzw. hättest lernen sollen),
und dann liest du die ausgewählten Passagen des Romans noch einmal und machst dir Notizen.
5. Zur Facharbeit gehört dann auch, dass du dir (bzw. dem Leser) zu Beginn Rechenschaft darüber gibst, wie du bei der Beantwortung der F r a g e (n) vorgehst bzw. vorgegangen bist.

In der Hoffnung, dass jetzt Klarheit in deinen Kopf gekommen ist und du mit deiner Arbeit vorankommst,
grüßt dich aus der Ferne



norberto42

Dienstag, 16. Februar 2010

Was den guten Vortrag ausmacht

Was die Kunst des guten Vortrags ausmacht, möchte ich an drei Regeln zeigen und dann erklären, wieso diese drei Regeln gelten.
1. Regel: Der gute Redner macht zu Beginn klar, um welche Frage es geht, und zwar möglichst präzise.
Beispiel: Wir gehen heute der Frage nach, wie Schiller die Probleme gelöst hat, wie es im „Don Carlos“ nach III 10 weitergehen kann. (besser als: welche Probleme Schiller mit „Don Carlos“ hatte).
In der Einleitung kann dann voraufgehen, dass man erklärt, wie es zu diesem Problem kommt bzw. gekommen ist.
2. Regel: Der gute Redner macht den Zuhörern klar, wie sein Vortrag aufgebaut ist,
und macht zwischendurch deutlich, wo man gerade steht – das schließt gelegentliche Vor- und Rückgriffe ein.
Diese Regel besagt im 1. Teil eigentlich nur, dass man erklärt, wie man vorgehen will, um das Problem zu lösen.
3. Regel: Der gute Redner spricht nicht nur klar, sondern auch bildhaft und baut dabei möglichst zentrale Bilder auch aus.
Beispiel: Schiller stand mit „Don Carlos“ nach III 10 mitten im Wald. Der Weg war zu Ende und er hatte weder eine Karte noch einen Kompass. In welche Richtung sollte er mit seinem Helden gehen? Da sah er in der Ferne ein kleines Licht: ...
Was steht hinter den drei Regeln?
Dahinter steht die Einsicht, dass der Redner es in der Regel mit Interessierten zu tun hat, die jedoch nicht ganz so begeistert und nicht ganz so kompetent sind wie er selber. Er kämpft oder wirbt um ihre Aufmerksamkeit und möchte es ihnen erleichtern, aufmerksam zu bleiben. Dazu tragen dann auch kleine Scherze, Anspielungen und Wortspiele (auf hohem Niveau) bei, sozusagen als Belohnung. Daraus ergeben sich auch die Ratschläge, man möge die Leute anschauen usw. - es muss dir klar sein, dass du um die Aufmerksamkeit der Zuhörer wirbst, Aufmerksamkeit ist ein knappes Gut.
Von drei Regeln erfordert nur die dritte eine zusätzliche Arbeit bzw. eine Überarbeitung; das Problem und die Gliederung sind dir hoffentlich bereits klar, wenn du den Vortrag "fertig" hast, du musst sie nur publikumswirksam verkaufen.

Woher kommt es, dass man beim Vortrag um Aufmerksamkeit werben muss? Ein Vortrag ist technisch gesehen ein Monolog, womit er tendenziell für andere langweilig ist. Also muss man dialogische Momente in diesen Monolog einbauen! Das ist der Gedanke, der hinter den drei Regeln steht:
Was will der Redner überhaupt?
Was meint er mit seinen schlauen Worten?
Was geht das mich an?
Wo sind wir dran?
Wie geht es weiter?
Wie lange dauert es noch?
Diese (unausgesprochenen) Fragen der Zuhörer muss der Vortragende indirekt oder direkt immer beantworten bzw. berücksichtigen, damit man ihm gern und vielleicht sogar mit Genuss zuhört.

Sonntag, 7. Februar 2010

Schloemann: Klassenbewusstsein

Der Untertitel dieses Aufsatzes in der SZ vom 6. Februar 2010 lautete: Das Land braucht nicht viele Abiturienten, sondern bessere. Sonst verliert das Gymnasium seine Bedeutung als höhere Lehranstalt.


Sehr geehrter Herr Schloemann!

Als nunmehr pensionierter Lehrer am Gymnasium kann ich Ihrer Klage über den Verfall des Gymnasiums nur zustimmen. Ziel des Gymnasiums muss es sein, nicht vielen Schülern das Abiturzeugnis auszuhändigen, sondern viele Schüler studierfähig zu machen. Die Crux hierbei ist, dass bisher offenbar nur gefühlsmäßig bestimmt ist, was „studierfähig“ heißt, d.h. welche Fähigkeiten und Fertigkeiten jemand besitzen muss, um studierfähig zu sein.
     Ihren Ausführungen möchte ich noch drei Aspekte hinzufügen:
1. Um der Gleichheit willen werden in zentralen Abiturprüfungen (zumindest im Fach Deutsch) oft genug abseitige Aufgaben gestellt – die sinnvollen Aufgaben könnte ja schon ein Kollege bearbeitet haben, und dessen Schüler wären dann gegenüber den übrigen im Vorteil.
2. Durch die didaktischen Moden (viel „Spielerei“ und „Kreativität“) kommen methodisch strenge Verfahren der Texterschließung zu kurz, zum Beispiel die Arbeit mit dem Wörterbuch. Es gibt kaum Anleitungen dazu, wie man mit dem Wörterbuch oder einer deutschen Grammatik arbeitet – und in den Schulen gibt es entsprechend keine Wörterbücher. Was im Abitur als „Wörterbuch“ zugelassen ist, ist der Rechtschreibduden oder ein ähnliches Buch, aber eben kein richtiges Wörterbuch.
3. In den Schulbüchern für Deutsch geht es entsprechend zu, allüberall wird produziert und szenisch dargestellt ... Aber der zentrale Begriff des sprachlichen Handelns fehlt weithin – in der neuesten Ausgabe des in NRW verbreiteten Cornelsen-Buchs „Texte, Themen und Strukturen“ für die Sekundarstufe kommt der Begriff einmal vor, aber er wird nicht als zentraler Begriff eingeführt und es wird eben insgesamt nicht damit gearbeitet. Dabei ist der Begriff seit über 50 Jahren in der Sprachwissenschaft geläufig, und er ist für ein strenges Verstehen auch unentbehrlich (er macht zum Beispiel den Rückgriff auf eine ohnehin nicht zu ermittelnde „Intention“ des Dichters überflüssig). Jedenfalls müsste er Schülern, die studierfähig sein sollen, geläufig sein.
     Nach meiner Einsicht müsste vordringlich geklärt werden,
1. mit welchen Fähigkeiten jemand studierfähig ist,
2. auf welchen Wegen diese Fähigkeiten nachweisbar erworben werden können,
2. was neue didaktische Methoden empirisch nachweisbar leisten.
Wer vierzig Jahre in der Schule gearbeitet hat, hat so viele Moden kommen und verschwinden sehen, dass er nur lächeln kann, wenn wieder einmal eine allein seligmachende Methode von gläubigen Theoretikern, die damit Karriere machen, gepredigt wird.

Mit freundlichen Grüßen, 

Samstag, 6. Februar 2010

Mit dem Wörterbuch arbeiten - Beispiel: Büchner, "Woyzeck"

Sie sollen hier lernen, wie man die Bedeutung eines Wortes an seiner Stelle methodisch behutsam ermittelt.
Regel: Man ermittelt die Bedeutung eines Wortes, indem man als kompetenter Sprecher probiert, durch welches andere mit gleicher Bedeutung es an dieser Stelle ersetzt werden kann. (Ersatzprobe)
Hilfsmittel dabei ist das Sprachgefühl dessen, der den Kontext beacht. Das Wörterbuch ist eine Liste mit Bedeutungen, in denen ein Wort (einzeln oder in Redewendungen) im Allgemeinen verwendet werden kann.
Probieren Sie bitte, welches Wörterbuch Ihnen am besten hilft. Im Internet gibt es:
Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache im 20. Jahrhundert (http://www.dwds.de/)
Wortschatz Universität Leipzig (http://wortschatz.uni-leipzig.de/)
BERTELSMANN Wörterbuch (Kurzfassung des Wörterbuchs von Wahrig: http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/services/suche/wbger/index.html)
Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch (http://www.owid.de/)
und andere; ältere Wörterbücher sind die bei http://www.zeno.org sowie
Synonymisches Handwörterbuch der deutschen Sprache (http://www.textlog.de/johann-eberhard.html, 1910).
Mein Tipp: Halten Sie brauchbare Wörterbücher durch Lesezeichen auf dem Rechner fest!

1. Aufgabe: Ersetzen Sie „Meinetwegen“ (Ende 6.) durch ein Wort oder eine Wendung gleicher Bedeutung: ______________________________________________________
2. Aufgabe: Ersetzen Sie „eins“ (6., im folgenden Satz) durch ein Wort oder eine Wendung gleicher Bedeutung: ______________________________________________
3. Aufgabe: Ersetzen Sie „hirnwütig“ (7.) durch ein Wort oder eine Wendung gleicher Bedeutung: _______________________________________________
4. Aufgabe: Ersetzen Sie „gesehn“ (7., im Satz: Ich hab ihn gesehn.) durch ein Wort oder eine Wendung gleicher Bedeutung (evtl. ein ganzen neuen Satz bilden):
_______________________________________________________________________
5. Aufgabe: Ersetzen Sie „Doctor“ (Figurenangabe vor 8.) durch ein Wort oder eine Wendung gleicher Bedeutung: ____________________________________
6. Aufgabe: Prüfen Sie, welche Konnotation (gefühlsmäßige Bedeutung) „Doctor“ nach Lektüre der ganzen Szene hat, ob also die normale Bedeutung hier zutrifft: _______________________________________________________________________
7. Aufgabe: Ersetzen Sie „gepisst“ (8., in der Wendung „auf Straß gepisst“) durch ein Wort oder eine Wendung gleicher Bedeutung: __________________________________
8. Aufgabe: Prüfen Sie, ob durch die Wiederholung plus Vergleich (an die Wand gepisst wie ein Hund, 8.) die Konnotation von „gepisst“ sich verändert:
_______________________________________________________________________
9. Aufgabe: Ersetzen Sie „unwissenschaftlich“ (8.) durch ein Wort oder eine Wendung gleicher Bedeutung: __________________________________________
10. Aufgabe: Ersetzen Sie „Struktur“ (8.) durch ein Wort oder eine Wendung gleicher Bedeutung: __________________________________________
11. Aufgabe: Achten Sie in Zukunft bewusst darauf, ob Sie die Bedeutung eines Wortes oder einer Wendung methodisch behutsam ermitteln sollten, statt sich bloß aufs eigene Sprachgefühl zu verlassen.
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Das ist ein Arbeitsblatt, eine methodische Übung aus meinem im Manuskript abgelieferten Lehrerheft zu Büchner (Krapp & Gutknecht, demnächst).

Freitag, 5. Februar 2010

Glossar der Germanistik


(Glossar der Germanistik, noch im Aufbau, aber vielversprechend)

Intonation, Prosodie, Satzmelodie

Intonation und Prosodie werden im Wesentlichen bedeutungsgleich gebraucht; sie bezeichnen die lautlichen Qualitäten einer Äußerung (eines Satzes). Früher sprach man metaphorisch von Satzmelodie und Klanggestalt des Satzes, meinte aber das Gleiche: Veränderungen der Lautstärke und der Stimmhöhe (also: der Betonung), sowie des Tempos beim Sprechen, die Pausen. Mit diesen Mitteln wird auch der „Sinn“ des Satzes realisiert – abgesehen von den Möglichkeiten des emotionalen Ausdrucks in der Stimmführung (neben Mimik und Gestik als paralinguistischen Größen, vgl. auch „nonverbale Kommunikation“).
     Früher war die Kenntnis dieser Faktoren eine Frage persönlicher Kompetenz, heute sind sie Gegenstand der Forschung. So hatte der Duden „Grammatik“ in der 4. Auflage das Kapitel „Die Klanggestalt des Satzes“; es fehlte in der 6. Auflage (zugunsten eines Kapitels über den Text); in der 7. Auflage steht wieder ein Kapitel über Intonation. In der Schule bzw. den Schulgrammatiken fehlt das Thema beinahe ganz; der Schülerduden Grammatik widmet ihm in der 4. Auflage einen Abschnitt, nämlich [13]. Walter Jung: Grammatik der deutschen Sprache, 10. Auflage 1990, hat das Kapitel „Satzakzentuierung und Intonation“ (S. 150-164); die „Grundzüge einer deutschen Grammatik“ (Berlin 1980) haben als Kap. 6: „Phonologie: Intonation“ (S. 839 ff.), mit den Phänomenen: Hebung/Senkung der Stimme, Gliederung (Pausen), Rhythmus, Betonung.
     Für das Verständnis sprachlicher Äußerungen in der Schule scheint es mit auf der Hand zu liegen, dass die sprachliche „Realisierung“, also das Erproben der Möglichkeit, Äußerungen zu sprechen, den Vorzug vor jeder Art von nichtsprachlicher Darstellung in Standbildern und ähnlichen Versuchen verdient. In der Realisierung probiert man, was sich sprachlich vertreten lässt: was sich wie anhört; erst wenn man das verstanden hat, kann man zusätzlich ein Standbild bauen. Die Hilflosigkeit von Schülern, mit ihrer Stimme Äußerungen zu realisieren, ist im Allgemeinen so groß [vgl. http://www.stauff.de/grundkursdeutsch/dateien/kaskaden/kaskaden.htm], dass die netten Standbilder zu bauen mir wie eine Flucht vor der Aufarbeitung sprachlicher Inkompetenz erscheint. – Zumindest bei der Analyse von Gedichten habe ich gefordert, dass man das Gedicht als sinnvolles Klanggebilde verstehen muss, und habe dem „Rhythmus des Gedichtes“ analytische Aufmerksamkeit geschenkt.
      Unter den Stichworten Intonation, Satzmelodie, Prosodie habe ich am 15. April 08 bei google  folgende Links gefunden:
http://www.logox.de/support/manual/logox4speechtagsintonation.htm (Sprechmelodie, mit Zeichen)
http://semanticsarchive.net/Archive/jI0OTk3O/buring.ids2005.pdf (Daniel Büring: Intonation und Informationsstruktur)
http://cornelia.siteware.ch/phonetik/ (Links phonet. Themen, 2005)
http://books.google.de/books? (Intonation plus Syntax ergeben Satz: Redeeinheit)
http://www.eleasoftware.com/voltrova/mv_Phonetik.htm (Phonetik und Phonologie in der dt. Sprache)
http://www.zas.gwz-berlin.de/pr/lndw2003/ZASTonMusik.pdf (Satzmelodie: Beispiele))
http://norberto42.kulando.de/post/2006/01/03/betonung
http://www.spz.tu-darmstadt.de/projekt_ejournal/jg-12-2/docs/Graffmann.pdf (Informationsstrukturen aus prosodischer Sicht)
www.mpg.de/pdf/jahrbuch_2002/jahrbuch2002_043_054.pdf (wie wir Sprache verstehen: Hirnforschung)


Diese Links sind am 5. Februar 2010 geprüft und um folgende erweitert worden:
http://www.uni-erfurt.de/sprachwissenschaft/personal/lehmann/ling/lg_system/phon/Index.html
Beate Redeker: PERSUASION UND PROSODIE (pdf-Datei)


An der Uni Kiel gibt es ein eigenes Institut für dieser Fragen.

Dienstag, 2. Februar 2010

Büchner: Dantons Tod, Woyzeck - Unterrichtsreihen

Heute habe ich das Manuskript eines neuen Lehrerheftes abgeschlossen, das in einigen Monaten im Verlag Krapp & Gutknecht erscheinen soll. Es enthält Material zu zwei Unterrichtsreihen (oder Unterrichtseinheiten). Ich stelle hier das Inhaltsverzeichnis vor:


Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Georg Büchner (allgemein)
A Georg Büchners Leben
B Die politische Lage zur Zeit Büchners
C Büchners Werke
 - Der Hessische Landbote
 - Dantons Tod
 - Lenz
 - Leonce und Lena
 - Woyzeck
D Büchner in der Literaturgeschichte
E Materialien zu beiden Unterrichtseinheiten
- Brief an die Braut (Anfang 1834: Fatalismusbrief)
- Brief an die Familie (28. Juli 1835)
- Auszug aus „Lenz“ (zur Literaturtheorie)
- Auszug aus „Lenz“ (Themen: Ruhe, Wahnsinn)
- Auszug aus „Leonce und Lena“ (III 3: Automatenrede)
- Georg Büchner: Probevorlesung „Über Schädelnerven“
- Ursula März: Pilger, Pfarrer, Promis. Poetik des Authentischen
2. Unterrichtseinheit „Dantons Tod“
A Didaktische Überlegungen
- Verständnis des Dramas – Aspekte
- Ziele des Unterrichts
- Überlegungen zum Gang des Unterrichts
- Analytische und produktive Arbeitsformen
- Einsatz des Films
B Untersuchungen zum Text
- Danton und seine Freunde: ihr Porträt in I 1
- Exposition: Akteure und Themen (I 1 und I 2)
- Politische Rhetorik Robespierres in I 3
- Robespierre (I 6 – Analyse im Überblick)
- Der Gang des Geschehens
- Der Kampf der Revolutionäre – Aspekte
- Analyse II 7
- Danton im Angesicht des Todes (im Wesentlichen ab III)
- Marion, Lucile, Julie – drei Frauengestalten
- Die Lieder in „Dantons Tod“, exemplarisch untersucht
- Figurenkonstellation und Figuren
C Materialien
- Lektürekontrolle 1. Akt
- Offene Form des Dramas
- Anleitung zur Szenenanalyse
- Das revolutionäre Geschehen (historischer Hintergrund)
- Vorlagen der Lieder in „Dantons Tod“
- Hans Mayer: Thermidorstimmung
- Max Weber: Politik als Beruf (Auszug)
D Klausuren (mit Lösungserwartung)
- Vergleichende Analyse zweier fiktionaler Texte
- Analyse eines Sachtextes mit weiterführendem Schreibauftrag
3. Unterrichtseinheit „Woyzeck“
A Didaktische Überlegungen
- Zum Verständnis des Dramas – Aspekte
- Ziele des Unterrichts
- Zum Verlauf des Unterrichts
- Arbeitsformen, Arbeitsergebnisse, Arbeitsvorschläge
- Woyzeck-Inszenierungen in Schulen
- Der Film „Woyzeck“ von Werner Herzog
- Weitere Hilfsmittel
B Erläuterungen zum Text
C Untersuchungen zum Text
- Der Doctor und Woyzeck: Subjekt und Objekt (8. – 10.)
- Woyzeck und der Hauptmann (5. und 9.)
- Die 3. Szene - Aspekte einer Szene
- Funktion der Lieder – exemplarisch untersucht
- Vergleich der 4. Szene mit Faust I, „Abend“
- Der Gang des Geschehens
- Marie zwischen zwei Männern: Woyzeck und Tambourmajor
- Woyzecks Sprachlosigkeit
- Arbeit mit dem Wörterbuch – methodische Übungen
- Was der Narr sagt – methodische Übungen
- Sprachliche Handlungen bestimmen – methodische Übungen
- „Woyzeck“ als offenes Drama – verschiedene Arten von Szenen
- Büchners Literaturtheorie
- Woyzeck – Figur und Figurenkonstellation
- Todessignale
D Materialien
- Lektürekontrolle 1. – 18. Szene
- Die wunderliche Gasterei (zu Blutwurst-Leberwurst, 17.)
- Goethe: Faust I, Szene „Abend“ (zum Vergleich mit 4.)
- Reinhard Lindenhahn: Dialog-Theorie
- Fragen zu einer Inszenierung des Stücks – beantwortet von Christian Stückl
- Marius von Mayenburg im Gespräch über Thomas Ostermeiers „Woyzeck“-Inszenierung
- Der Himmel über Marzahn (Rezension von Ostermeiers Inszenierung)
- Wir sind wir (Rezension von Volker Löschs Inszenierung)
- Werner Morlang: Wer und wer? – Mensch ist Mensch (Beispiel produktiven Arbeitens)
E Klausuren (mit Lösungserwartung)
- Analyse eines fiktionalen Textes mit weiterführendem Schreibauftrag
- Vergleich zweier fiktionaler Texte mit weiterführendem Schreibauftrag
4. Sonstige Hilfsmittel
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Was daraus wirklich wird, wird man spätestens im Juni 2010 sehen, hoffe ich. kann man inzwischen sehen (2. Juli 2010).
Eine kleine Nachbemerkung: Fast alle, die sich mit Büchner beschäftigen, erheben ihn in den Himmel der absoluten Genialität. Nun war er sicher ein hoch begabter Mann, ein entschlossen Handelnder - aber der frühe Tod verleitet einen dazu, etwas als Lebenswerk zu betrachten, was doch erst in freilich sehr beachtlichen Bruchstücken und auch noch unausgegoren vorhanden war. - Zum Vergleich denke man sich den nicht weniger begabten Goethe mit 23 Jahren, also etwa Ende 1772 gestorben: Einige der großen Hymnen wären uns geblieben, aber nicht einmal "Die Leiden des jungen Werthers"! Was hätten wir von einem Büchner erwarten dürfen, der 60, 70 Jahre alt geworden wäre!?