Samstag, 7. November 2009

MitgliederInnen - feministische Wortungeheuer

So berechtigt das Anliegen des Feminismus sachlich war, so grausam sind die Wortungeheuer, die er hervorbringt, weil er die biologische (bzw. eher die soziale) Kategorie Sexus auch in der Sprache unterbringen will, wobei er sie unsachgemäß mit der grammatischen Kategorie Genus vermengt.
     Genus ist, wie gesagt, eine Besonderheit, die sich im Deutschen in dreifacher Ausprägung zeigt: männlich (der), weiblich (die), keins von beiden (das). Das grammatische Geschlecht deckt sich oft mit dem biologischen Geschlecht (der Mann, die Frau), aber nicht immer (das Mädchen, das Weib).
     Im Plural gibt es keine Genusdifferenz, der Plural bezeichnet einfach die Gesamtheit aller Exemplare: Die Lehrer, das sind alle Lehrer, auch die Lehrerinnen; die Gangster, das sind alle Gangster, auch die Gangsterinnen; die Bürger, das sind alle Bürger, auch die Bürgerinnen. Erst wenn man spezifisch die weiblichen Lehrer, als vielleicht durch die Hausarbeit besonders belastet, hervorheben will, muss man von den Lehrerinnen im Unterschied zu den Lehrern sprechen.

Das reicht nun den Feministinnen (das schließt hier ausnahmsweise auch die Feministen ein) aber nicht, und weil die Politiker dem Volk nach dem Maul reden, was bekanntlich nichts kostet, reicht es denen auch nicht. "Bürgerinnen und Bürger" ist deren Standardformulierung, über die sie nicht mehr nachzudenken brauchen. Die stete Verdoppelung, Christinnen und Christen, Schülerinnen und Schüler, führt natürlich dazu, dass solche zeitraubenden Worthülsen irgendwie umgangen werden: Ein Prinzip des normalen (!) Sprechens ist jedoch die Knappheit, die Verkürzung - das ist antifeministisch!
     Deshalb hat sich zum Beispiel bei den Referendaren eingebürgert, in Entwürfen von Stundenplänen nur von den SuS zu sprechen; das liest man "Schülerinnen und Schüler". Ob den Mädchen nun besondere Ehre erwiesen wird, wenn man sie unter die SuS packt, weiß ich nicht.
     Eine andere Grausamkeit besteht in der verkürzenden Schreibweise "SchülerInnen" - grammatisch völlig unsinnig und inkorrekt, die man ebenfalls "Schülerinnen und Schüler" lesen müsste. Ich habe zur Ehrenrettung der Jungen die Schreibweise "SchülerInnen und SchülerAußen" erfunden: Die SchülerInnen sind natürlich die Schülerinnen, die SchülerAußen sind eben die Schüler.
     Vollends schrecklich wird es, wenn ganz normale neutrale Pluralformen plötzlich als männlich/weiblich zu differenzieren gelten - den Feministinnen und FeministAußen, versteht sich. Das schreckliche Beispiel "MitgliederInnen" oder "Mitgliederinnen" gibt es bereits in der sprachlichen Wirklichkeit. Dabei müsste man, wenn man die Sache richtig betrachtet, eher von Mitgliedern und Ohnegliederinnen sprechen, wenn man auf den entscheidenden Punkt schaut. Da solches jedoch nicht schicklich ist, schlage ich vor, es wirklich einfach bei den "Mitgliedern" zu belassen; zu denen gehören dann auch die real ohne Glied Lebenden.

1 Kommentar:

  1. Mir hat immer die Frage gut gefallen: Was ist die weibliche Form von "Bürgermeister"?.

    Korrekte Antwort lauten: "Bürgsieinnenmeistsiein"

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