Donnerstag, 16. März 2017

Relativsätze, Relativpronomen, relative Adverbien


1. Beispiele für Relativsätze
(1) Der Mann, der am Fenster sitzt, kommt aus Hamburg.
(2) Ich erinnere mich noch genau [daran], worüber wir gestern gesprochen haben.
(3) Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.
(4) Du musst das Rad prüfen, welches Luft verliert.
2. Theorie der Relativsätze
  • Sie werden durch ein Relativpronomen oder Relativadverb eingeleitet.
  • Sie sind Nebensätze, die sich auf ein Bezugswort im Hauptsatz beziehen.
  • Dieses Bezugswort muss man sich manchmal hinzudenken, siehe (2).
  • Meistens sind sie Attribute; sie können aber auch Subjekt oder Objekt sein.
  • Sie stehen in der Nähe des Bezugswortes.
  • Relativsätze sind restriktiv oder nicht-restriktiv; restriktiv sind sie, wenn sie das Bezugswort näher bestimmen (und so seine Bedeutung einschränken): (5) der Mast, der an unserer Garage steht. Nicht-restriktive Relativsätze fügen dem Bezugswort lediglich ein Merkmal hinzu: (6) unser Auto, das [bekanntlich] braun ist.
  • Relativsätze können Ergänzungen oder Angaben sein: Ergänzungen sind spezifische (notwendige) Satelliten des Nomens, sie vertreten oft den Genitivus subjectivus: (7) der Fehltritt, den der Großvater beging [= der Fehltritt des Großvaters]; Angaben sind unspezifische (beiläufige) Satelliten, sie können der gesamten Wortklasse zugeordnet werden.
  • Es gibt weiterführende Relativsätze, die sich auf den ganzen Satz beziehen: (8) Die Raupe hat stachelige Haare, was sie vor Feinden schützt.
  • Sie werden durch Komma(s) vom Hauptsatz abgetrennt.
3. Die Relativpronomen
  • sind „der, die, das“ (aus dem Demonstrativpronomen entstanden), „welcher, welche, welches“ (eher im Schriftdeutschen - im Mittelhochdeutschen war „welcher“ bloß ein Fragewort; erst seit dem späten 15. Jahrhundert ist es nach dem Vorbild des lateinischen „qui“ [Frage- und Relativpronomen] auch zu einem Relativpronomen geworden), „wer, was“ („wer“ Personen, „was“ Sachen – beide verallgemeinernd);
  • stellen die Beziehung zu einem Nomen oder Pronomen im übergeordneten Satz her, vgl. (1): „der“ „Der Mann“;
  • richten sich in Geschlecht und Zahl nach dem Bezugswort, vgl. (1): „der“ ist Maskulinum, Singular, wie „Der Mann“,
  • während der Fall sich nach der Funktion im Relativsatz richtet, vgl. (1): „der“ ist Subjekt im Relativsatz, steht also im Nominativ.
4. Relative Adverbien
  • Sie können ebenfalls Relativsätze einleiten, siehe (2).
  • Sie bestehen aus den beiden Teilen „wo[r]“ + Präposition, also „woher, wofür, worüber, worauf“ usw.
  • Die Genitivverbindungen „weshalb, weswegen“ behalten ihre Form.
  • Nach Orts- und Zeitangaben kann ein relatives „wo“ stehen: (9) Es kam die Morgenstunde, wo die Entscheidung nahte.
  • Ein modaler Attributsatz kann mit relativem „wie“ angeschlossen werden: (10) Die Art, wie [= in welcher] er erzählt, gefällt mir.

Quellen: Schülerduden Grammatik (7. Aufl.); Jung/Starke: Deutsche Grammatik (1990); Ulrich Engel: Deutsche Grammatik (1988/2009). Vgl. auch http://www.zas.gwz-berlin.de/fileadmin/mitarbeiter/schwabe/teaching/4.2_Attributsaetze.pdf
Die Unterscheidungen restriktiv/nicht-restriktiv und Ergänzung/Angabe braucht man natürlich in der Sekundarstufe I nicht einzuführen; sie sind vielleicht bei stilistischen Untersuchungen in der Sekundarstufe II (für den Lehrer) hilfreich. Vgl. auch http://www.zas.gwz-berlin.de/fileadmin/mitarbeiter/schwabe/teaching/8_Nicht-restr._Relativsaetze.pdf
 
5. Übungen
a) Die meisten Übungen bestehen aus einem Haupt- und einem Relativsatz, in dem das Relativpronomen fehlt. Hier muss man erkennen, welche Funktion das Pronomen im Relativsatz hat sowie Geschlecht und Zahl des Bezugswortes beachten: (8) In jeder Klasse gibt es einen Schüler, ______ man immer helfen muss.
b) Etwas schwieriger ist die Übung, in der man aus zwei Sätzen einen Haupt- und einen Relativsatz bilden soll. Hier kommt die Entscheidung für den Hauptsatz hinzu, wobei man manchmal noch das Tempus im Relativsatz verändern muss: (9) Das Mädchen lief bei Rot über die Straße. Das Mädchen wurde verletzt. Das Mädchen, das bei Rot über die Straße lief, wurde verletzt. [Oder: Das Mädchen, das verletzt wurde, war bei Rot über die Straße gelaufen.]
c) Noch schwieriger ist die Übung, wenn das Bezugswort nicht wörtlich, sondern nur sinngleich im zweiten Satz repräsentiert ist: (10) Sie haben mir im Katalog einen Laserstrahldrucker für 120 Euro gezeigt. Wann ist das Gerät lieferbar? Wann ist der Laserstrahldrucker für 120 Euro, den Sie mir im Katalog gezeigt haben, lieferbar?
d) Vielleicht noch schwieriger ist eine Übung, in der ein Modalverb im Relativsatz entfallen kann/muss: (11) Wo finde ich hier Steckdosen? Sie sollen eine Kindersicherung besitzen. Wo finde ich hier Steckdosen, die eine Kindersicherung besitzen?
e) Manchmal muss man ein Wort umstellen, damit das Satzgefüge sinnvoll wird: (15) Früher lagerten die Daten auf des Festplatte unseres Computers. Sie gehörten ausschließlich uns. Früher gehörten die Daten, die auf der Festplatte unseres Computers lagerten, ausschließlich uns. [Die Angabe „Früher“ gehört zum ganzen Komplex des Gesagten.]
f) Wenn das Bezugswort ein Personalpronomen der 1. oder 2. Person ist, kann es erhalten bleiben: (16) Wir möchten euch entgegenkommen. Wir lassen uns auf dieses Tauschgeschäft ein. Wir, die wir euch entgegenkommen möchten, lassen uns auf dieses Tauschgeschäft ein.

(oder in der Suchmaschine „Relativsätze Übungen deutsch“ eingeben!)

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