Montag, 30. März 2020

Zur Geschichte des Duzens

In einem Schwank Heinrich Bebels aus dem Jahr 1506 steht als Kommentar des Erzählers: dann die Teutschen habens also im Brauch, daß sie nur entweders Freund und Bekannte oder schlecht und unachtbare Menschen duzen“. Als Alternative gab es damals nicht das Siezen, sondern das Ihrzen ("Ihr" als höfliche Anrede).
Heinrich Bebels Schwänke. Zum ersten Male in vollständiger Übertragung herausgegeben von Albert Wesselski. Erster Band. München und Leipzig 1907, S. 7

Samstag, 21. März 2020

Gedichte in Klasse 5


Ich möchte einige Gedichte nennen, die sich jahrelang in meinem Unterricht bewährt haben – vielleicht auch als Anregung für eine Vertretungsstunde:
James Krüss: Der Zauberer Korinthe
https://www2.klett.de/sixcms/media.php/229/OA_313811_S167_qd36fk_Gedichtvortrag.pdf
https://text-unlimited.de/wordpress/kaffee-tinte/ (einige kleine Fehler)
Peter Hacks: Trip, trip, trop
(leider nicht im Netz greifbar)
James Krüss: Höpftbönnöff (aus: Mein Urgroßvater und ich, 1960)
https://books.google.de/books?id=cKqkBwAAQBAJ&pg=PT52&lpg=PT52&dq=%22eine+zeitung+f%C3%BCr+die+Bienen%22&source=bl&ots=pzpJGy6doa&sig=ACfU3U1yk6QoGHjC0fCa2r6N7OMpoA84JQ&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwizy6vugKzoAhVllFwKHQ33AacQ6AEwAHoECAcQAQ#v=onepage&q=%22eine%20zeitung%20f%C3%BCr%20die%20Bienen%22&f=false
Erich Kästner: Die Sache mit den Klößen
https://www.waldorf-ideen-pool.de/Schule/uebergreifend/rhythmischer-teil/gedichte/unterstufengedichte/verschiedene-gedichte-1/die-sache-mit-den-kloessen
Karl Krolow: Schlaflied im Sommer
Nun träumen im Kleefeld die Hasen...
(leider nicht im Netz greifbar)
Wilhelm Busch: Die Freunde
http://www.wilhelm-busch-seiten.de/gedichte/letzt58.html
(Dieses Gedicht diente bei mir oft dazu, ein paar Wochen später Fritz aus den Ferien einen Brief an Ferdinand schreiben zu lassen, in dem er seinem Freund erneut die Freundschaft anbietet.)
James Krüss: Das Feuer
Hörst du, wie die Flammen flüstern...
(leider nicht im Netz direkt greifbar)
Zu Krüss eine Klassenarbeit aus Kl. 5 des Gymnasiums:
Die Gestaltung eines Gedichtes verstehen und elementar beschreiben – eine Schulstunde
Aufgabenstellung:
1. Beschreibe den Aufbau des Gedichtes; beachte dabei, was der Sprecher tut.

2. Das Taktschema der 1. Strophe:
a) Zeichne das Taktschema der 1. Strophe.
b) Wie heißt dieser Takt?
c) Wo sind aufgrund des Taktschemas kleine Pausen beim Sprechen zu machen?

3. Das Taktschema der letzten Strophe:
a) Zeichne das Taktschema der letzten Strophe.
b) Was fällt dir auf, wenn du es mit dem Taktschema der 1. Strophe vergleichst? Wie erklärst du dir den Unterschied?

4. Reime:
a) Wie nennt man die Art des Reimens in den ersten fünf Strophen?
b) Erkläre dort an drei Reimpaaren, welche Beziehung durch den Reim zwischen den Versen gestiftet wird.

5. Zusatzaufgabe (ich weiß nicht, ob ihr dafür noch Zeit habt):
Ganz oft tauchen in diesem Gedicht Stabreime auf.
a) Nenne drei Beispiele dafür.
b) Kannst du beschreiben, wie das stabreimende Sprechen sich anhört (wie es also auf dich wirkt)?

Erläuterungen zu den Versen
4 brodeln: Kochendes Wasser brodelt (wirft Blasen auf).
4 brutzeln: Fleisch brutzelt in einer heißen Pfanne.
6 blecken: sehen lassen (mit „blicken“ verwandt)
9 rauchen: Rauch erzeugen
10 schmauchen: qualmen
Die Adjektive in V. 10 musst du von ihren Ursprungswörtern verstehen.
24 züngeln: (die Bewegung der Zunge machen) auf Flammen u.Ä. übertragen.
Beantworte die Fragen in ganzen Sätzen und nicht so, als ob du mit mir sprächest!
Viel Erfolg (und ein bisschen Freude am Gedicht)!

P.S. Um in den Takt einzuführen, könnte man vielleicht auf Morgensterns Gedicht „Der Tanz“ zurückgreifen; das ist so herrlich sinnlos-sinnvoll, dass aufgeweckte Kinder sicher ihre helle Freude daran haben – leider ist es semantisch ein bisschen anspruchsvoller, man muss einiges erklären, was ich hier getan habe.

Donnerstag, 12. März 2020

Gutes Deutsch schreiben - Regeln und Tipps


Ich schreibe hier nicht über die Frage, wie man Rechtschreib- und Grammatikfehler vermeidet – das setze ich jetzt als bekannt voraus. Es geht vielmehr darum, wie man flüssiges, gutes Deutsch schreibt. Ich beziehe mich direkt auf meinen Aufsatz „Typische Fehler im deutschen Aufsatz“ (https://norberto68.wordpress.com/2012/10/27/typische-fehler-im-deutschen-aufsatz/), wo die Fehler an Beispielen erklärt werden: Wenn man Fehler vermeidet, macht man es richtig.
1. Vor dem Schreiben
Mache dir klar, über welche Frage du schreibst.
Bedenke und notiere, welche Aspekte der Frage bzw. welche Teilfragen du behandeln musst.
Lege die Reihenfolge dieser Aspekte fest, ehe du zu schreiben beginnst.
(Vergleiche dazu
2. Beim Schreiben
a) Insgesamt:
Benenne zu Beginn die Frage, um die es geht.
Mache deutlich, welchen Aspekt du gerade behandelst.
Beginne für jeden neuen Aspekt einen neuen Absatz.
Zeige durch Querverweise, worüber du schon gesprochen hast oder später schreiben willst.
b) Auf der Ebene der Sätze:
Achte auf das der Textsorte angemessene Tempus (erklären: Präsens; berichten: Präteritum).
Fülle die Satzbaupläne aus; spare also keine notwendigen Angaben und Ergänzungen ein. (Siehe meinen Aufsatz zur Satzlehre https://norberto68.wordpress.com/2011/02/14/satzlehre-der-deutsche-satz/ und https://norberto68.wordpress.com/2011/02/13/gliederung-von-der-stoffsammlung-zum-aufsatz-beispiele/)
Vergiss nicht die zum Verständnis erforderlichen Attribute.
Löse komplexe Nominalphrasen in Nebensätze auf.
Achte auf eindeutigen Bezug der Pronomina.
Achte auf die richtige Wortstellung innerhalb des Satzes.
3. Nach dem Schreiben
Prüfe, ob du alles gesagt hast, was du sagen wolltest.
Überlege, ob du die richtige Reihenfolge der Aspekte gewählt hast.
Prüfe, ob ein anderer auf Anhieb verstehen kann, was du meinst.
Das alles prüft man leichter, wenn man sich seinen Text am nächsten Tag noch einmal vornimmt; unmittelbar nach dem Schreiben hat man nämlich noch nicht genügend Abstand vom eigenen Text.


Montag, 9. März 2020

Deutscher Wortschatz, systematisch geordnet

Wir kennen alle die normalen Wörterbücher, wo die Wörter in alphabetischer Ordnung aufgeführt sind. Es gibt aber auch Wörterbücher, wo die Wörter nach Sachgebieten systematisch geordnet sind. Klassisch ist für die deutsche Sprache der Dornseiff (Der deutsche Wortschatz nach Sachgruppen) oder Wehrle-Eggers: Deutscher Wortschatz. Ein Wegweiser zum treffenden Ausdruck (Klett).
Vorgänger dieser Bücher ist der bei archive.org greifbare Sanders: Deutscher Sprachschatz geordnet nach Begriffen zur leichten Auffindung und Auswahl des passenden Ausdrucks, 1873, aber immer noch hilfreich:
Auch der Dornseiff ist im Internet greifbar:

Mittwoch, 4. März 2020

Semantik von "warnen"

In der "Morgenlage" des Tagesspiegels steht heute (4.3.2020): "Zuvor hatte der Geschäftsführer der Unionsfraktion, Michael Grosse-Brömer, davor gewarnt, keine falschen Hoffnungen zu wecken." Gemeint ist, dass Herr Grosse-Brömer davor warnte, falsche Hoffnungen zu wecken (er sagte also, man solle sie nicht wecken).
Im Verb "warnen" ist die Negation ("nicht tun"!) impliziert, wie im "empfehlen" die Negation fehlt ("tun"!). Auch im Rundfunk hört man den gleichen Fehler oft - vom Fehlen des Konjunktivs, dem falschen Gebrauch von "weil" oder dem falschen Gebrauch des Partizips Präsens ("schuld sei das fehlende Vertrauen" - nein, schuld sei das Fehlen des Vertrauens; das fehlende Vertrauen gibt es nicht, deshalb kann es auch nicht schuld sein) gar nicht zu sprechen!