Freitag, 2. April 2021

Hätte, hätte, Fahrradkette

Hätte, hätte, Fahrradkette.“ Dieser Spruch, 2013 durch Peer Steinbrück bekannt geworden, ist umwerfend gut, besser als zum Beispiel: „Hätte der Hund nicht geschissen, hätte er den Hasen gekriegt.“ Wieso ist er besser? Der Hunde-Spruch entfaltet den Gedanken vollständig – das ist zu umständlich, allerdings an einem unsinnigen Beispiel – das ist gut am Hunde-Spruch; denn dass ein Hund sich erst zum Scheißen niederhockt, wenn es gilt, einen Hasen zu fangen, macht ihn zum Bruder der Butterblume, die auch nie einen Hasen fangen könnte.

Der Spruch von der Fahrradkette ist gut, weil er extrem kurz ist, dabei sich reimt, zweimal einen Trochäus aufweist (strenge Parallelität der beiden Zeilen), durch die Wiederholung „Hätte, hätte“ das ganze Feld des nachträglichen Besserwissens oder Wünschens einschließt und es völlig sinnlos mit „Fahrradkette“ verbindet, wodurch das „Hätte, hätte“ entlarvt ist.

Ich kenne einen ähnlichen Spruch aus dem Niederrheinischen: „WENN legg op dr Denn, hät lang Uere on vrett Heu.“ (WENN liegt in der Tenne, hat lange Ohren und frisst Heu.) Dieser Spruch ist natürlich viel besser als „Wenn das Wörtchen ‚wenn‘ nicht wär‘, wär‘ mein Vater Millionär“, der einmal ziemlich lang ist, dann aber den Gedanken an einem Beispiel exakt durchspielt und damit ziemlich fade ist. Für den ersten Wenn-Spruch gibt es zwei mögliche Deutungen: Die erste ist die, dass die Kombination des Wenn-Gedankens mit der Tenne und dem Heufressen völlig sinnlos ist, siehe oben. Die zweite nimmt das Liegen und Heufressen wörtlich und macht dann aus dem WENN bzw. aus dem Wenn-Sager einen Esel.

Zwei Regeln lassen sich aus diesen Beispielen für die Qualität von Redensarten ableiten: 1. Je kürzer, desto besser. 2. Je mehr der Gedanke demonstriert statt ausgesprochen wird, desto besser. Aber auch der Reim und die Parallelität zeichnen einen guten Spruch aus.

https://www.wortbedeutung.info/h%C3%A4tte,_h%C3%A4tte,_Fahrradkette/ (Erklärung, Hinweis auf Sprüche in anderen Sprachen)




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